Auszüge aus der aktuellen Ausgabe:

Arbeiten im Ausland: Indien ist eine echte Herausforderung!

21. Oktober 2009

Maik Zeuner hat für den Landmaschinenhersteller Claas zweieinhalb Jahre lang ein Projekt in Indien geleitet. Ziel war die Entwicklung, Fertigung und Markteinführung eines neuen Mähdreschers für den asiatischen Markt. Die Arbeit hat ihn beruflich und persönlich extrem weitergebracht...

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Maik Zeuner (34) beschreibt sich selbst als häuslich und heimatverbunden. Gebürtig aus dem ostwestfälischen Lemgo im Raum Bielefeld stammend arbeitet er heute als Ingenieur in der Technischen Entwicklung der „Claas Selbstfahrende Erntemaschinen GmbH“ in Harsewinkel – rund 60 Kilometer von seiner alten Heimat entfernt.
Nach dem Abitur hat er im Jahr 1996 bei Claas ein dreijähriges duales Studium begonnen. Nach jeweils drei Monaten in Stuttgart, wo er an der Berufsakademie „Maschinenbau mit Fachrichtung Konstruktionstechnik“ studiert hat, kehrte er für drei Monate in das Unternehmen in Harsewinkel zurück. Auch seine Diplomarbeit hat er dort geschrieben. „Während des Studiums habe ich nie daran gedacht, mal ins Ausland zu gehen“, blickt er zurück.

USA-Projekt weckte Lust aufs Ausland

Das wurde nach seinem Berufseinstieg schnell anders. Denn Zeuner bekam gleich den Auftrag, die technische Koordinierung bei der Weiterentwicklung des Mähdreschermodells Lexion mit dem Entwicklungsbereich am Claas-Standort Omaha in den USA zu übernehmen. „Auf mehreren Dienstreisen während der ersten zwei Jahre habe ich festgestellt, dass die Arbeit im Ausland richtig spannend ist“, erinnert er sich.
Schon bald ergab sich die Gelegenheit für einen weiteren Schritt: Für die Entwicklung eines Mähdreschers für den asiatischen und afrikanischen Raum suchte Claas einen Projektleiter, der für zwei Jahre nach Indien geht. In Indien hatte Claas bereits das Modell „Crop Tiger 30“ eingeführt. Jetzt sollte eine größere Maschine unter dem Namen „Crop Tiger 60“entwickelt und bis zur Vorserie betreut werden. Beide Modelle unterscheiden sich konstruktiv von europäischen und amerikanischen Modellen, da sie vor allem für die Ernte von Reis entwickelt wurden. Der Projektleiter sollte das Know-how aus Harsewinkel bezüglich Konstruktion und Bau einer neuen Maschine nach Indien übertragen und dem jungen indischen Team bei der Personal-, Kapazitäts- und Zeitplanung unter die Arme greifen.
Als Maik Zeuner davon erfuhr, winkte er erst ab. „Das klang zwar spannend, der Schritt ins unbekannte Indien war mir aber eine Nummer zu groß“, blickt er zurück. Doch nach mehreren Wochen Bedenkzeit nahm er die Herausforderung an und machte sich an die Vorbereitungen.
Bis zur Abreise im April 2005 blieben ihm noch drei Monate. Wegen der Sprache machte er sich keine Sorgen: Englisch war ihm vertraut, sowohl aus dem Studium als auch durch das USA-Projekt. Viel wichtiger waren jetzt die Beantragung des Arbeitsvisums sowie die zahlreichen Impfungen, die ihm ein Tropenmediziner empfahl.

Einstieg über siebentägigen Kurztrip

Um schon einmal einen Einblick von dem Land und der Arbeit zu gewinnen, brach er einige Wochen vor seiner endgültigen Abreise zu einer siebentägigen Kennenlerntour auf. Dabei hat ihn der Kollege begleitet, der bereits Kontakt mit den indischen Konstrukteuren hatte und später für die Zeit von Zeuners Aufenthalt sein Ansprechpartner in Deutschland werden sollte.
Der Claas-Standort Faridabad liegt rund 18 Kilometer von Delhi entfernt. Es ist ein vollständiger Produktionsstandort mit eigenen Abteilungen für Entwicklung, Einkauf, Personal- und Finanzwesen, Produktion, Marketing und Vertrieb. „Dort gab es nur indisches Personal, ich war zu dem Zeitpunkt der einzige deutsche Entsendete“, berichtet der junge Ingenieur.
Der Anfang war für ihn nicht einfach. Wegen hoher Personalfluktuation war nahezu das gesamte indische Entwicklungsteam gerade erst zwei bis vier Monate bei Claas in Indien beschäftigt und dementsprechend unerfahren in der Entwicklung eines Mähdreschers. Die Abwanderung von Fachkräften in Indien liegt im Bereich Maschinenbau bei über 20 %. Grund: Mit jedem Wechsel des Arbeitgebers erhoffen sich die Inder einen Sprung auf der Karriereleiter weiter nach oben. Gerade bei Zeuners Projekt war das sehr kritisch: Der Termin für die Präsentation der Maschine stand fest. Mit jedem ausscheidenden Mitarbeiter gerade aus der Entwicklungsabteilung wanderte auch eine Menge Erfahrung und Wissen ab.
Dazu kamen Probleme mit der Lieferung von Teilen. „Anders als in Deutschland konnten wir dort Prototypen nicht in einer Werkstatt selbst herstellen, sondern waren auf Zulieferer angewiesen“, berichtet Zeuner. Mit viel Mühe und Engagement konnte das Team nach fünf Monaten mit dem ersten Prototyp im Oktober bei der Reisernte erste Erfahrungen sammeln. Aber wegen vieler Unterbrechungen und Verzögerungen aufgrund der infrastrukturellen Bedingungen in Indien musste der Baubeginn für die Vorserie des Crop Tiger 60 und damit auch Zeuners Aufenthalt sechs Monate nach hinten verschoben werden.
Glücklicherweise waren auch seine Vorgesetzten regelmäßig in Indien und konnten sich vor Ort von den Schwierigkeiten überzeugen. Zeuner informierte sie außerdem monatlich in einem Bericht über die Projektentwicklung. Etwa alle drei Monate war er in Deutschland und hat mit verschiedenen Ansprechpartnern im Stammhaus in Harsewinkel über aktuelle Probleme und deren mögliche Lösung gesprochen.
Ihm kam zugute, dass er sich bereits mehrere Jahre mit der Entwicklung von Mähdreschern in Deutschland beschäftigt hatte. So konnte er den indischen Kollegen erklären, wie z.B. der Dreschkorb an der Trommel richtig eingestellt sein muss. „Aber ich zeigte ihnen auch, welche Anforderungen Claas an technische Zeichnungen hat“, erklärt er. Denn selbst bei dem bereits existierenden Crop Tiger 30 gab es nur Handzeichnungen. Für den Export wurden aber standardisierte Zeichnungen benötigt. Damit die indischen Fachleute das deutsche System besser verstehen, verbrachten zusätzlich viele von ihnen drei Monate bei Claas in Deutschland. „Als sie zurück nach Indien kamen, haben sie vieles besser verstanden, was ich von ihnen wollte“, beschreibt Zeuner. Das Manko dabei: Nach ihrer Rückkehr waren sie auch attraktiv für andere Firmen und wurden nicht selten abgeworben.

Mehr Berater als Vorgesetzter

Zeuner war der Ansprechpartner für alle Angelegenheiten, die mit Deutschland abzustimmen waren. Die Kunst für ihn war es, das Projekt in die richtigen Bahnen zu lenken, ohne die Stellung des indischen Entwicklungsleiters zu untergraben. „Ich hatte für die Menschen dort mehr die Funktion eines Beraters und nicht die eines Vorgesetzten, das hat mir bei der Arbeit sehr geholfen“, lautet seine Analyse.
Nicht nur beruflich, auch kulturell betrat er in Indien eine völlig andere Welt. Zeuner hat in Delhi in einer privaten Wohnung gelebt, die von der Firma gestellt wurde. Er hatte einen einheimischen Ansprechpartner im Personalbereich in Indien, der sich um verschiedene Probleme kümmerte – so auch bei Behördengängen oder der Abwicklung von Steuerangelegenheiten. „Wegen der ehemaligen britischen Kolonialherrschaft ist in Indien alles sehr bürokratisch“, musste er feststellen.
Die Arbeitszeiten sind mit Deutschland nicht zu vergleichen. Morgens fing er zwischen halb acht und acht in der Firma an und machte abends zwischen halb acht und acht Feierabend. In der Erntezeit dagegen ging der Tag auch schon mal bis zehn oder elf Uhr abends. „Und als wir den ersten Prototypen gebaut haben, da haben wir bis nachts halb zwei an der Maschine geschraubt“, blickt er zurück.
Für den täglichen Weg zur Arbeit hatte er aus Sicherheitsgründen einen Fahrer. Grund: Der indische Verkehr ist nach europäischem Empfinden chaotisch und gefährlich. So hält sich kaum einer an eine rote Ampel oder es stehen sechs Autos nebeneinander auf einer dreispurigen Kreuzung. „Dazu kommen noch Roller, Fahrradfahrer, Fußgänger, Elefanten und die heiligen Kühe, die das Chaos perfekt machen“, berichtet er.
Interessant war auch, dass ihm ein Hausdiener zugeteilt wurde. Diese sind ab einer gewissen Gesellschaftsklasse üblich. Der Diener putzt das Haus, kauft ein und kocht. „Ich habe ihn mir mit dem Hausbesitzer geteilt, da ich ja oft nicht zu Hause war und ihn gar nicht voll ausgelastet hätte“, schildert Zeuner. Der Diener hat umgerechnet etwa 80 Euro im Monat verdient. Als Hausdiener arbeiten meist Menschen, die nicht lesen und schreiben können und auf diese Weise nicht auf der Straße leben müssen.

Als Gast wie ein Familienmitglied aufgenommen

Seine Erfahrung lautet: Die Inder sind grundsätzlich an der Freundschaft mit Fremden interessiert. In den ersten Monaten gab es kaum einen Abend, wo er nicht irgendwo eingeladen war – sogar zu Hochzeiten! „Man lernt so auch die Familien der Mitarbeiter kennen und sieht, wo und wie sie leben“, macht er deutlich. Gewöhnungsbedürftig war für ihn auch die indische Küche: sehr vielseitig, meist vegetarisch und scharf gewürzt.
In befreundeten Familien hat Zeuner die Inder als sehr warmherzig kennengelernt. Als Gast war er quasi Familienmitglied. „Wenn man sich immer ein wenig zurückhält und die Menschen in ihrem Handeln beobachtet und respektiert, gibt es keine Probleme mit der anderen Religion oder der fremden Kultur“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Doch das Land präsentiert sich nicht nur liebenswürdig. So musste Zeuner feststellen, dass im Alltag manchmal ein grober Umgangston herrscht. Auch musste er lernen, mit der Armut im Land umzugehen. Im Armenviertel von Delhi leben die Menschen ohne Toilette und ohne fließendes Wasser. „Als Europäer muss man aufpassen, dass einen dieses Elend nicht auffrisst“, warnt er. Probleme wie diese lassen sich im Gespräch mit Gleichgesinnten entschärfen, hat er festgestellt. So lernte er viele Entsendete anderer Firmen kennen, darunter einige Deutsche, hauptsächlich aber Franzosen und Briten. So hat er nicht nur mit Indern, sondern auch mit anderen Entsendeten Freundschaften geschlossen und auch Reisegemeinschaften gebildet. Kennengelernt hat er sie unter anderem im „Deutschen Haus“ in Delhi, der ehemaligen ostdeutschen Botschaft, die heute eine Begegnungsstätte ist.
Die Entfernung zu Deutschland ist trotz moderner Kommunikation nicht zu unterschätzen. Etwa viermal pro Jahr ist er während der 2,5 Jahre in Deutschland gewesen. Eine Reise von Tür zu Tür dauerte rund 14 Stunden. Die Entfernung hat auch sein Privatleben beeinträchtigt: So ging die Beziehung zu seiner damaligen Freundin in die Brüche. „Wenn man ins Ausland gehen will, darüber zu sprechen, ob er bereit ist mitzukommen oder ob man die Trennung über eine gewisse Distanz und einen gewissen Zeitraum auch hinbekommt“, gibt er anderen Interessenten mit auf den Weg.

Nach der Rückkehr war eine Umstellung nötig

Nach zweieinhalb Jahren kehrte Zeuner nach Deutschland zurück. Das Projekt hatte er erfolgreich abgeschlossen. Zu seiner Überraschung hatte sich das im Unternehmen schon herumgesprochen. „Ich habe mehrere Angebote auch aus anderen Abteilungen bekommen, wo ich hätte anfangen können“, berichtet er. Aber Zeuner blieb in der Entwicklung, jetzt allerdings als Projektleiter für den Mähdrescher „Lexion“. Das Aufgabenspektrum ist nur bedingt mit Indien zu vergleichen. Denn in Harsewinkel ist das Team größer und die Entwicklungsschritte vielschichtiger.
Nach zweieinhalb Jahren im Ausland musste er sich auch erst wieder an die deutsche Arbeitsweise gewöhnen. Als großen Unterschied stellte Zeuner die stärkere Kontrolle im großen Team, das diszipliniertere Arbeiten und den höheren Termindruck fest. „Andere Entsendete haben mir gesagt, dass man ein halbes bis ein ganzes Jahr braucht, bis man sich wieder eingewöhnt hat. Bei mir hat es rund neun Monate gedauert“, schildert er seine Erfahrungen.
Zu der Umstellung gehörte auch der Umgang mit den Kollegen. In Indien half häufig eine deutliche Ansage, wenn er etwas durchsetzen wollte. „Mein fachlicher Vorgesetzter hat mir bei einem Indienbesuch mal gesagt, ich hätte mir einen ganz schönen Befehlston angeeignet. Den musste ich mir zu Hause erst wieder abgewöhnen“, meint er. Ebenfalls hat er sich in Indien angewöhnt, gewisse Missstände hinzunehmen. Denn ob man sich ärgert oder nicht: Die Prozesse gehen einfach nicht schneller. In Deutschland dagegen kann so eine Einstellung bei Kollegen und Vorgesetzten einen negativen Eindruck hinterlassen. Diese Erfahrung nutzt er jetzt aber im positiven Sinne: Während andere bei Problemen und Engpässen unruhig werden, bleibt er relativ gelassen.
Was er aus Indien noch mitgenommen hat und heute noch nutzt: Zeuner führt ein Arbeitstagebuch, in dem er notiert, was er jeden Tag gemacht hat. Dort kommt auch rein, was gut gelaufen ist und wo er noch Verbesserungspotential sieht.
Im Privatleben nimmt er sich heute viel mehr Zeit für seine neue Freundin und die Familie. „Ich habe in Indien schätzen gelernt, wie freundlich die mit Menschen umgehen und wie viel Wert sie auf Familienleben legen.“
Nach zwei Jahren zurück in der alten Heimat reizt es ihn heute erneut, in die Ferne zu ziehen: „Wenn ich jetzt noch mal ein Angebot bekäme, für Claas irgendwo hinzugehen, würde ich das unter Berücksichtigung meines jetzigen Projektes sofort machen.“

Tipps für den Auslandsaufenthalt

Wer in einem Unternehmen in Richtung Karriere plant, sollte einen Auslandsaufenthalt in Erwägung ziehen, zeigen die Erfahrungen von Maik Zeuner: „Das öffnet manche Tür.“ Der Auslandsaufenthalt ist die Chance zur Profilierung. Bewährt man sich, bieten sich nach der Rückkehr im Stammhaus neue Möglichkeiten.
Weitere Empfehlungen, die Zeuner Interessenten mit auf den Weg gibt:

  • Schon im Studium kann man mit einem Auslandsaufenthalt (Praktikum oder Auslandssemester) wertvolle Erfahrungen sammeln. Denn man lernt, sich in einem fremden Umfeld einzuleben, ohne dass die Verantwortung so groß ist wie später im Berufsleben.
  • Wer ins Ausland geht, sollte mindestens drei Jahre Berufserfahrung haben. Ansonsten könnte es passieren, dass man weder dem Stammhaus noch dem ausländischen Standort gerecht wird und sich verschleißt.
  • Vor dem Entschluss sollte auch der Partner zustimmen und bereit sein, die zeitweilige Trennung in Kauf zu nehmen oder mitzukommen.
  • Mehr als drei Monate Vorbereitungszeit braucht man in der Regel nicht. Die nötigen Fristen werden von den Impfungen und der Beantragung der Aufenthaltsgenehmigung bestimmt.
  • Als sehr hilfreich zur Vorbereitung hat sich der siebentägige Kurzbesuch erwiesen, um Land, Wohnort und Arbeitsplatz kennen zu lernen.
  • Als Sprache ist, natürlich auch in Abhängigkeit von dem Land, gutes Englisch wichtig.
  • Bei der Arbeit hat geholfen, dass Zeuner vorher Ähnliches im Unternehmen bereits durchgeführt hat, in seinem Fall die Entwicklungsarbeit an Mähdreschern oder das Anfertigen von technischen Zeichnungen. Ohne die Fachkenntnis könnte es passieren, dass einen die ausländischen Kollegen nicht für voll nehmen.
  • Man sollte eine gewisse Selbstständigkeit mitbringen: Denn wegen des Zeitunterschieds (in Zeuners Fall dreieinhalb bis viereinhalb Stunden) kann man nicht immer sofort Rücksprache mit den deutschen Vorgesetzten halten, Entscheidungen muss man auf Basis aller vorliegenden Daten selbst fällen. Das trägt auch zur persönlichen Entwicklung bei.
  • Auch hinsichtlich Menschenführung und Personalplanung braucht man viel Fingerspitzengefühl, kann aber auch viel lernen – aus Zeuners Sicht mehr, als in dem Zeitraum in Deutschland möglich gewesen wäre. In Abhängigkeit vom Entsendeland sollte man spätestens nach drei bis fünf Jahren wieder zurückkommen, da man sich sonst zu sehr an das Arbeiten im Ausland gewöhnt. Hier gilt: Je ähnlicher das Entsendeland dem Heimatland ist, desto länger kann man den Aufenthalt ausdehnen. Die Umstellung auf deutsche Arbeitsverhältnisse dauert trotzdem bis zu einem Jahr.

VDMA: Branche wird sich 2010 langsam erholen

21. Oktober 2009

Die Wirtschaftskrise hat auch die Landtechnikbranche 2009 erfasst. Der Umsatzrückgang könnte bei 25 % liegen. Aber schon im kommenden Jahr ist Entspannung in Sicht....

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Die deutsche Landtechnikindustrie kann mit einer gewissen Zuversicht auf das kommende Jahr hoffen. „Nach deutlichen Einschnitten in nahezu allen Segmenten rechnen wir 2010 mit einer
Stabilisierung der Umsatzsituation auf niedrigem Niveau“, betonte Dr. Bernd Scherer, Geschäftsführer des VDMA Landtechnik, im Rahmen der Vorpressekonferenz zur Agritechnica.
Zwar werde sich die Nachfrage in einigen wichtigen Märkten Westeuropas weiter abschwächen- Allerdings sei in einzelnen Staaten Osteuropas eine leichte Belebung zu erwarten.
Während die deutschen Landtechnikhersteller im vergangenen Jahr 2008 mit einer Umsatzsteigerung um 24 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro ein beispielloses Rekordergebnis einfahren konnten, ist der Boom 2009 im Zuge der Wirtschaftskrise auch in der Landtechnik zum Erliegen gekommen. Im ersten Halbjahr 2009 ?el die Landtechnikproduktion in Deutschland bereits um 15 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum.
Auf dem deutschen Markt vollzog sich dagegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres noch eine positive Entwicklung. Das Marktvolumen wuchs noch einmal um zwei Prozent. Mittlerweile liegen die Aufträge jedoch etwa ein Drittel unter dem Vorjahresniveau, was zu einem Umsatzrückgang von Juli bis Dezember um etwa 25 bis 30 Prozent führen wird.
Für das Gesamtjahr 2009 prognostiziert der VDMA einen moderaten Rückgang des deutschen Marktes um rund zehn Prozent, der damit über dem Niveau des Jahres 2007 bleibt, was angesichts der Umfeldbedingungen ein nach wie vor passables Ergebnis darstellt.

Frankreich als Stabilitätsanker

Die Märkte Westeuropas, die für die deutsche Industrie nach wie vor knapp zwei Drittel des Exports ausmachen, hielten sich in der Summe auf hohem Niveau.
Besonders gut behauptet hat sich im ersten Halbjahr der französische Markt. Der Großteil der Umsätze wurde dabei mit Aufträgen aus dem Jahr 2008 erwirtschaftet. Die Neuaufträge liegen hingegen seit Monaten auf niedrigem Niveau, sodass der Umsatzrückgang bereits zum Jahresende spürbar sein wird.
Insgesamt spielt Frankreich in diesem Jahr jedoch eine wichtige Rolle als Stabilitätsanker auf den Exportmärkten. In Westeuropa gab es aber schon seit Jahresbeginn auch Märkte, die sehr schwach aus?elen. Zu nennen sind insbesondere die skandinavischen Länder sowie Spanien.
In Zentraleuropa ist die Situation zweigeteilt: Sondereffekte sind in Bulgarien und Rumänien zu verzeichnen. Die Landwirte erhalten dort hohe Zuschüsse für Investitionen in neue Landtechnik und nutzen diese vor allem in diesem Jahr intensiv. Der polnische Markt hat sich nur in geringem Maße abgeschwächt. In fast allen übrigen Märkten fällt der Rückgang jedoch sehr deutlich aus.
Das Exportgeschäft in Osteuropa ging schon im Herbst 2008 mit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise stark zurück. 2009 kommt es hier zu den höchsten Rückgängen. Vor allem Russland ist aufgrund seiner Protektionspolitik und einer Kreditklemme derzeit als Exportmarkt weit abgeschlagen. Nach einem rasanten Aufstieg auf Platz zwei im Exportranking im letzten Jahr steht das Land momentan lediglich an siebter Stelle, was sich jedoch mittelfristig bedingt durch das große Potential dieses Marktes wieder ändern wird.
Eine relativ stabile Nachfrage gibt es in den Vereinigten Staaten. Allerdings ist eine Abschwächung im kommenden Jahr aufgrund geringerer landwirtschaftlicher Einkommen wahrscheinlich.
Die aktuelle Wirtschaftslage schlägt sich auch im Geschäftsklimaindex der europäischen Landtechnikindustrie nieder. Laut CEMA Business Barometer, einer monatlich vom VDMA im Auftrag des europäischen Dachverbandes CEMA durchgeführten, repräsentativen Befragung von Entscheidungsträgern der Branche, sind rund zwei Drittel der Führungskräfte mit der momentanen Geschäftssituation unzufrieden. 80 Prozent sehen auch im nächsten Halbjahr sinkende Umsätze. Die Landtechnikindustrie in Deutschland erwartet für 2009 ein Minus in der Produktion von 25 Prozent.

Nutzen Sie die Agritechnica für Ihre Karriereplanung!

21. Oktober 2009

Auf der größten Landtechnikausstellung der Welt finden Sie fast alle Hersteller und Hochschulen aus dem Bereich Landwirtschaft und Landtechnik. In diesem Jahr bieten die Branchenverbände zudem hochkarätige Aktionen für Studenten und Jobeinsteiger....

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Mitte November ist es wieder so weit: Vom 10. bis 14. November (Exklusivtage am 8. und 9. November) öffnet die Messe „Agritechnica“ in Hannover ihre Tore. Die Agritechnica ist die weltweit bedeutendste und größte Landtechnikausstellung. Rund 2200 Aussteller aus 45 Ländern werden ihre Neuheiten und aktuellen Weiterentwicklungen auf dem Messegelände in Hannover präsentieren. Alle weltweit führenden Unternehmen der Branche sind in der Woche in Hannover konzentriert vertreten, auch rund 500 Neuaussteller wollen den internationalen Marktplatz zur Vorstellung ihrer Produkte nutzen.
Als riesiges Netzwerk der Akteure aus der Landtechnik, der Landwirtschaft, dem Landmaschinen-Handel und -Handwerk sowie aus Beratung, Wissenschaft und Forschung ist die Messe für Studenten eine ideale Plattform, um sich über künftige Berufe, Arbeitgeber oder Forschungsprojekte zu informieren.
In diesem Jahr bietet die Messe für Studenten, Berufsein- und –umsteiger besondere Aktionen an.
Die Branchenorganisationen Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), die Hauptarbeitsgemeinschaft des Landmaschinenhandels- und handwerks (H. A. G.), der Verein deutscher Ingenieure (VDI) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) stellen in Vortragsveranstaltungen, Einzelgesprächen und Praxisdemonstrationen die gesamte Bandbreite der Berufsbilder in der Agrarbranche vor. Dabei geht es um landwirtschaftliche und landtechnische Ausbildungsberufe bis zum landtechnischen Ingenieur und dem Manager in der Landwirtschaft. Auch für die Vermittlung von Praktika und Studienarbeiten stehen umfassende Informationen zur Verfügung.

Foren informieren über Jobs und Praktika

Wer seine berufliche Zukunft in der faszinierenden Welt der Landtechnik und der Landwirtschaft sieht, auf den wartet auf der Agritechnica ein einzigartiges Informationsangebot.
Schwerpunktmäßig konzentriert sich die DLG auf den Managementnachwuchs für die Agrarbranche. Ein internationales Studententreffen sowie Jobforen für den Management- und Ingenieurnachwuchs werden unter dem Dach des „Young Farmers Day“ stattfinden (siehe dazu auch den Infokasten). Darüber hinaus wird es unter dem Titel „Mein Betrieb. Meine Ideen. Meine Zukunft. –Unternehmensführung junger Landwirte weltweit“ eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit Referenten u.a. aus Deutschland, USA, Kanada, Russland und Europa geben.

Bewerbungsunterlagen-Check und Karriere-Beratung
Wenn Sie sicher sein wollen, dass Ihre Bewerbung professionell gestaltet ist und Ihre Stärken hervorgehoben werden, prüfen Sie Ihre Unterlagen gemeinsam mit einem erfahrenen DLG-Mitarbeiter auf Zielsetzung, Inhalte, Vollständigkeit und Gestaltung.
Wenn Sie zwar erste Ideen zu Ihren beruflichen Zielen haben, aber nicht so genau wissen, ob Sie richtig liegen und auf welchen Wegen diese zu erreichen sind, können Sie mit einem DLG-Coach über Ihre Ziele diskutieren und gemeinsam Ansätze für mögliche Wege zu einer erfolgreichen Zielerreichung entwickeln. Termine können Interessierte anfragen über die homepage der agritechnica und der Rubrik „Karriere“.

Landtechnik live erleben

Das Landmaschinenhandwerk fokussiert derweil eine andere Zielgruppe: „Wir suchen ‚starke Typen’ mit praktischem Geschick für die Werkstatt“, sagte Ulrich Beckschulte vom Verband des Landmaschinenhandels und -handwerks H.A.G. „Unter dem Motto ‚Werkstatt live’ wird es während der gesamten Agritechnica stündlich Demonstrationsshows geben.“ Die jungen Teams zeigen praktische Arbeiten an Schlepper, Mähdrescher, Presse und Kettensäge. Moderatoren
interviewen sie dabei. Begleitet und ergänzt werden die Praxisvorführungen durch Fachkommentare und Diskussionsrunden mit dem Publikum. Hinzu kommt ein umfangreiches Beratungsangebot zu allen Fragen der Ausbildung, das auch die Vermittlung von Ausbildungs- und Praktikumsplätzen im In- und Ausland umfasst.

Fast alle Hochschulen vertreten

Gemeinsam mit den agrarwissenschaftlichen und agrartechnischen Hochschulinstituten präsentiert sich der VDI auf dem Agritechnica-Campus, der zentralen Anlaufstelle für alle Fragen rund um die akademische Ausbildung. Im „Campus“ in Halle 17 (Stand C17) präsentieren sich fast alle Hochschulen, die sich mit Agrarwissenschaften und / oder Agrartechnik beschäftigen. Hier gibt es die Möglichkeit, sich ausgiebig über die spezielle Ausrichtung der Hochschulen und über die Studienmöglichkeiten zu informieren.
„Der VDI versteht sich als Netzwerk der Ingenieure und Naturwissenschaftler. Mit unseren Angeboten wollen wir den angehenden Ingenieuren und Agraringenieuren beim Einstieg in die Community der Agrartechniker behilflich sein“, so Dr. Andreas Herrmann, Ansprechpartner für den VDI-Fachbereich Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik.

Neue Chancen für den Ingenieurnachwuchs

Der VDMA richtet seine Aktivitäten hingegen auf den Ingenieurnachwuchs in der Landtechnikindustrie aus. Plenumsvorträge und geführte Messerundgänge für eigens eingeladene Schülergruppen und Lehrkräfte sollen einen intensiven Austausch über Berufschancen und Ausbildungswege für junge Landtechnikingenieure ermöglichen. Darüber hinaus stehen zahlreiche im VDMA organisierte Landmaschinenhersteller direkt an ihren Messeständen für individuelle Gespräche zu Berufsperspektiven in der Landtechnikindustrie zur Verfügung. Sie finden den VDMA in der Galerie in Halle 2.


Das erwartet Sie auf der Agritechnica

Auf dem DLG-Stand in Halle 17, Stand B28 finden folgende Aktionen statt:

  • Bewerbungsunterlagen-Check
  • Berufsweg-/Karriereberatung in Landwirtschaft und Agribusiness
  • Internetbasierte Börse für Praktikumsstellen, Studienarbeiten und Einstiegsjobs

Speziell am Young Farmers Day am 12. und 13. November 2009 können Sie an folgenden Aktionen teilnehmen:

12. November 2009

Internationales Studententreffen:
Podiumsdiskussion und Austauschbörse „Studienaufenthalt im Ausland – ein wichtiger Karrierebaustein!“ ?13:00 – 15:00 Uhr, Saal Bonn, CC
Zielgruppe: deutsche und ausländische Studenten
Inhalt: Vortragsveranstaltung mit Erfahrungsberichten deutscher Studenten im Ausland mit Diskussion, anschließend Möglichkeit zum Austausch der Studenten.

  • Podiumsdiskussion: Young Farmers Day – „Mein Betrieb. Meine Ideen. Meine Zukunft. – Unternehmensführung junger Landwirte weltweit“?18:00 – 20:00 Uhr, Saal 3, CC?

Zielgruppe: Junge Landwirte, Nachwuchskräfte der Agrarbranche Inhalt: kurze Statements zum Thema „Betriebsführung weltweit“ von jungen Landwirten aus u.a. Deutschland, USA, Kanada, Russland und Europa; Diskussion der Strategien mit dem Plenum – anschließend „Young Farmers Party“ im Deutschen Pavillon, Am EXPO Plaza 1

13. November 2009?

  • Jobforum für den Managementnachwuchs: Berufsbilder – Anforderungsprofile – Perspektiven?10:30 – 11:30 Uhr, Saal 3 A, CC??
  • Jobforum für den Ingenieurnachwuchs: Berufsbilder – Anforderungsprofile – Perspektiven?12:00 – 13:00 Uhr, Saal 3 A, CC

Zielgruppe: Studenten und Berufseinsteiger in das Management und den Ingenieurberuf
Inhalt: Kurzvorträge hochrangiger Vertreter aus Landtechnikunternehmen, Diskussion mit den Teilnehmern rund um die Themen Bewerbung, Anforderungen, Gehaltsvorstellung, Jobeinstieg, Aufstiegsmöglichkeiten
Auch wenn Sie nicht persönlich nach Hannover kommen können – die Spezialisten der vier Organisationen helfen Ihnen auch vor und nach der Agritechnica weiter.
Sie finden die Ansprechpartner und weitere Informationen im Internet unter www.agritechnica.com/karriere

Die vier Verbände können Sie auch direkt unter folgenden Internetadressen erreichen:

Werkstudent: Mehr als nur Jobben beim Studieren

21. Oktober 2009

Maximilian Birle studiert Agrarwissenschaften in Hohenheim und arbeitet parallel bei einem Traktorhersteller in der Marketingabteilung. Damit verdient er nicht nur Geld, sondern lernt Firma und Beruf hautnah kennen....

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Wenn Maximilian Birle (24) nachmittags mit seinem Notebook an der Uni sitzt, wirkt er auf Außenstehende wie ein ganz normaler Student, der sich vielleicht für abends mit anderen Kommilitonen verabredet. Stattdessen checkt der Student wichtige emails, da er mitten in einem spannenden Projekt steckt und noch etliche Aufgaben erledigen muss. Denn Birle macht zwar gerade seinen Master in Agrartechnik an der Universität Hohenheim. Doch seit über einem Jahr ist er gleichzeitig Werkstudent beim Traktorhersteller Case IH in Heilbronn. „Von einem früheren Praktikum bei einem Landmaschinenhersteller kannte ich den heutigen Marketingleiter bei Case IH, der mich wegen eines Praktikums angesprochen hatte. Über ihn bin ich zu der Stelle gekommen“, beschreibt der Student seinen Werdegang.
Birle hat einen befristeten Vertrag bis zum Jahr 2010. Als Werkstudent ist er wie ein Mitarbeiter in der Firma tätig, macht Projekte mit und wird in das tägliche Geschäft eingebunden (Näheres zum Thema Werkstudent siehe Kasten). Inzwischen arbeitet er etwa die Hälfte seiner Zeit für Case IH, die anderen 50% teilen sich dann auf in Studium und Freizeit.

Viel Eigenverantwortung

Aufgrund des kleinen Teams, was ihm sehr viele Möglichkeiten bietet, hat er sehr viel Eigenverantwortung. Er bearbeitet Projekte im Bereich Personalmarketing und kümmert sich beispielsweise um Praktikanten und Abschlussarbeiten. Aber auch Maßnahmen in der Verkaufsförderung und Kommunikation zählen zu seinen Aufgaben. Er hat beispielsweise Kurzanleitungen für Maschinen erstellt oder eine Umfrage unter den Außendienstmitarbeitern durchgeführt. Weitere Tätigkeiten sind Standdienst auf Messen oder Marktbeobachtungen.
„In der Marketingabteilung sind wir gefordert, mit möglichst effektivem Geldaufwand Projekte erfolgreich umzusetzen. Da ist immer viel Kreativität gefordert“, beschreibt er seine Tätigkeit.
Wie andere Marketingmitarbeiter sitzt auch er an der Schnittstelle zwischen dem Außendienst und den Produktmanagern oder Agenturen.
Da er für diese Tätigkeit auch in längerfristigen Projekten steckt, ist eine sehr gute Zeitplanung wichtig. Zwischen der Uni in Hohenheim und der Arbeitsstätte in Heilbronn liegen knapp 80 Kilometer. „Das ist viel Fahrerei und manchmal muss ich einfach Prioritäten setzen: Projekt oder Uni?“ In diesem Fall hilft das Notebook mit Internetanschluss, so dass er zumindest virtuell mit der Firma verbunden ist.
Die Arbeitszeiten richten sich allerdings nach seinem Semesterplan: Während der Prüfungszeiten im Februar oder von Juli bis Anfang August hat er beispielsweise komplett frei und widmet sich seinem Studium. In den Semesterferien dagegen kann er sich voll für die Firma einbringen und kommt so auch mal auf 300 Arbeitsstunden pro Monat. „Gerade bei Ausstellungen und größeren Projekten kommen die schnell zusammen“, hat er erfahren. Auch in der Anfangszeit, wenn man neu im Team ist, muss man für die Einarbeitungszeit mehr Zeit einplanen, lautet seine Empfehlung.

Wie ein externer Berater

Inzwischen hat sich das eingespielt und Birle ist voll in das Team integriert. Er steht in ständigem Austausch mit den Kollegen,, die ihn gerne und fast jederzeit mit Detailinformationen versorgen. „Ich habe natürlich Freiheiten, die andere nicht haben, ich kann auch mal etwas kritisch hinterfragen, wo festangestellte Mitarbeiter sich vielleicht eher zurückhalten würden“, beschreibt er. Er fühlt sich dabei des Öfteren mehr wie ein externer Berater. Gleichzeitig lassen sich Uni und Job gut miteinander kombinieren. Nicht selten sitzt er in der Vorlesung und denkt dabei über ein Problem aus der Firma nach. Auf diese Weise hat er zu den Vorlesungsinhalten gleich den Praxisbezug und umgekehrt. „Die Erfahrung hilft auch für die Projektarbeit an der Uni. Denn nicht immer läuft es unter den Studenten so strukturiert ab wie bei den Profis in der Firma“, schildert er seine Erfahrungen.
Die Tätigkeit lässt sich daher fast mit einem Dualen Studium vergleichen, wo sich Vorlesungen und Arbeit in der Firma auch regelmäßig ablösen. Allerdings schätzt er an seinem Studium den wissenschaftlichen Bezug im Masterstudiengang Agrartechnik.
Aber er blickt auch über den persönlichen Tellerrand. So fährt er für die Firma zu Tagungen oder macht Messen mit. Er steht zwar in der Pflicht, sich voll für das Team einzubringen, sammelt dafür aber wertvolle Erfahrungen und Feedbacks.
Dazu kommt, dass sein Onkel noch einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, so dass er auch die aktuellen Probleme der Landwirte sehr gut nachvollziehen kann.

Persönliches Netzwerk hilft

Außerdem bringt er seine persönlichen Erfahrungen und Kontakte aus anderen Netzwerken ein. So hat er beispielsweise im Jahr 2008 den Juniorenpreis der DLG verliehen bekommen und darüber weitere wertvolle Kontakte knüpfen können. Organisationen wie DLG oder VDI sieht er als gute Austauschplattformen. „Ich empfehle allen Studenten, diese Organisationen als Netzwerk zu nutzen“, macht er deutlich.
Dass er seinen Werkstudentenjob auch ohne persönliche Kontakte zu seinem Chef bei CaseIH bekommen hätte, kann Birle nicht sagen, aber es hat die Situation sicherlich etwas erleichtert.
Wichtig für die Qualifikation zu so einem Job, sind seiner Erfahrung nach Englischkenntnisse, die man sich am besten im Ausland aneignet und festigt. Birle beispielsweise hat drei Monate an der Mississippi State University in Starkville/USA verbracht und dort seine Bachelorarbeit über ein Projekt im Bereich „Erneuerbare Energien“ geschrieben.
Auch hier empfiehlt er, sich über Förderprogramme und Stipendien zu informieren, wie z.B. die Claas Stiftung oder VDI MEG. Sie erleichtern die Umsetzung von eigenen Ideen und unterstützen den Aufbau eines persönlichen Netzwerkes.
Die Erfahrungen aus seinen Auslandsaufenthalten in China und Russland bezeichnet er als sehr hilfreich, da er hier Notwendigkeit und Potentiale für Agrartechnik erfahren konnte. Das motiviert und erweitert den Horizont für neue Lösungsansätze.
Da es im Marketing sehr kreativ zugeht und auch mal was Neues ausprobiert werden darf, gehören Neugier, Offenheit und Kommunikationsfähigkeit zu den wichtigsten persönlichen Eigenschaften, die man mitbringen sollte. „Förderlich ist auch, wenn man eigene Ideen einbringt und die dementsprechend vertritt. Auf diese Weise sind eine Reihe von Projekten zustande gekommen, die ich anschließend bearbeitet habe“, schildert Birle.
Unterm Strich sieht er in der Tätigkeit einen sehr wertvollen Studentenjob. Er genießt dabei Flexibilität, hat aber auch schon Projektverantwortung. Das ist zwar anstrengend und anspruchsvoll, bietet aber auch die Chance, Theorie und Praxis auf einzigartige Weise zu verknüpfen. Hinrich Neumann


Tipps für Nachahmer

Wer sich für eine Stelle als Werkstudent interessiert, sollte folgende Ratschläge von Maximilian Birle berücksichtigen:
Die Arbeit ist mehr als ein Studentenjob, man bekommt neben dem Gehalt auch wertvolle Einsichten ins Berufsleben und ebnet sich so die Basis für den späteren Job
Die Tätigkeit ist auch während des Bachelorstudiums möglich.
Allerdings muss man auch die Nebenwirkungen beachten: Zeitlich und mental ist der Aufwand nicht zu unterschätzen.
Die Bereitschaft sollte vorhanden sein, Standdienst auf Messen zu machen, viel zu reisen und dabei auch mal 300 Stunden im Monat zu arbeiten.
Aber auch ein Werksstudent sollte sich nicht mit Arbeit überhäufen lassen. Die abendlichen Studentenparties und Treffen wie der Agrartechnik Stammtisch sollten nicht unter der Arbeit leiden.
Wichtig sind Englischkenntnisse, die man am besten bei einem Auslandsaufenthalt festigt und ausbaut.
Der Umgang mit Excel und Powerpoint sollte vertraut sein.
Man muss den Mut haben, auch eventuell bei Vorgesetzten eigene Ideen zu präsentieren und dann auch zu verteidigen.


Hinweise zur Tätigkeit als Werkstudent

Als Werkstudenten werden Studierende bezeichnet, die neben dem Studium in einer abhängigen Beschäftigung arbeiten, schreibt der Deutsche Gewerkschaftsbund auf seiner Internetseite (www.dgb-jugend.de). Dabei ist es egal, ob es sich um einen Minijob, eine kurzfristige oder eine reguläre studentische Beschäftigung handelt. Es können auch mehrere Beschäftigungsarten miteinander kombiniert werden. Wichtig: Werkstudenten müssen regelmäßig eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung (einer anerkannten Hochschule des In- oder Auslandes) bei ihrem Arbeitgeber abgeben, die dieser sie an die Krankenkasse weiter leitet. Nur wer immatrikuliert ist, sich nicht im Urlaubssemester befindet und auch die Abschlussprüfung noch nicht hinter sich hat, gilt als Werkstudent.? Nur Werkstudenten haben den Studierendenstatus in der Sozialversicherung, der von einkommensabhängigen Zahlungen (also Zahlungen, deren Höhe abhängig vom Einkommen variiert) in die Krankenversicherung, die Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung befreit. In die Rentenversicherung müssen Werkstudenten trotzdem einzahlen (Ausnahme: Minijob und kurzfristige Beschäftigung, da zahlt der Arbeitnehmer grundsätzlich keine Beiträge). Als Werkstudent gilt nur, wer mit seinen Nebenjobs eine regelmäßige Wochenarbeitszeit von insgesamt 20 Stunden nicht überschreitet.
Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie unter www.dgb-jugend.de/studium/jobben/jobarten/werkstudenten im Internet.


CNH: Ein globaler Konzern mit drei großen Marken

Die Marke Case IH & Steyr gehört zu dem CNH-Konzern, in dem mehrere Marken der Land- und Baumaschinentechnik integriert sind. Im Jahr 1996 hat die Case Corporation die Steyr Landmaschinentechnik AG aus St. Valentin (Österreich) übernommen. Drei Jahre später fusionierte die Case Corporation mit dem Unternehmen New Holland N.V. unter dem Dach von Fiat zur neuen CNH Global N.V. – weltweit einem der größten Unternehmen im Land- und Baumaschinenbereich. Europäischer Hauptsitz für Vertrieb, Marketing und Produktion der Marken Case IH und Steyr ist heute St. Valentin. Hier werden jährlich rund 9.000 Traktoren produziert, 80 % davon exportiert.
Auch ein Großteil der Traktoren für den deutschen Markt kommt aus St. Valentin. Einige Modelle stammen aber auch aus Jessis (Italien), darunter Marken wie Quantum C/V/N (Case). Aus den USA kommen dagegen die Traktormodelle Magnum, Steiger/Quadtrac sowie die Case IH Axial-Flow-Mähdrescher. CASE IH LB-Großballenpressen werden in einem belgischen, RB-Rundballenpressen in einem polnischen Werk gebaut.
Die deutsche Vertriebs- und Serivcezentrale mit angeschlossenem Trainingscenter befindet sich in Heilbronn. Dort arbeiten zur Zeit ca. 100 Menschen. Weitere Informationen finden Sie unter www.caseih.com und unter www.steyr-traktoren.com

10 Jahre nach Bologna: Wie hat sich das Agrarstudium verändert?

21. Oktober 2009

Mittlerweile haben alle Fachhochschulen und Universitäten vom Diplom auf Bachelor und Master umgestellt. Welche Erfahrungen haben Studenten und Professoren damit gemacht? Und wie sieht die Wirtschaft die Umstellung?...

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Zeit für ein Zwischenfazit: Zehn Jahre ist es her, dass sich die europäischen Bildungsminister auf eine umfassende Reform der Hochschullandschaft geeinigt haben, die so genannte Bologna-Reform (siehe Kasten). Die wichtigste Änderung im Bereich der Agrarwissenschaften: Der alte Diplomstudiengang wurde ersetzt durch ein zweistufiges System, bei dem die Studenten erst einen Bachelor- und darauf aufgesattelt einen Master-Abschluss machen können.
Doch zum zehnjährigen Bologna-Geburtstag ist vielen Studenten nicht zum Feiern zumute. Das zeigen Protestkundgebungen in mehr als 90 Städten in Deutschland Mitte Juni 2009. „In den Diskussionen mit den Studierenden bestand Konsens, dass die Ziele der Bologna-Reform richtig sind, es aber Korrekturbedarf bei der Umsetzung gibt“, räumt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion „Die Linke“ im Juli 2009 ein.
Korrekturbedarf sieht die Bundesregierung in der Studierbarkeit der Studiengänge und der Modularisierung, der konsequenten Anwendung der Instrumente „ECTS“ und „Diploma Supplement“ sowie in der Anerkennungspraxis von Studienleistungen bei Hochschulwechsel. Aber auch der flexible Übergang von Bachelor zu Master sei verbesserungswürdig. „Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen kommt den Hochschulen eine Schlüsselrolle zu“, meint die Bundesregierung.

Hochschulwechsel ist schwerer geworden

„In der Tat gibt es heute noch etliche Probleme mit der Umsetzung der Reform“, erklärt Markus Ebel-Waldmann, Präsident des Berufsverbandes Agrar, Ernährung, Umwelt (VDL). Auf der Hochschultagung „Agrarstudium in Deutschland – Wohin geht der Weg?“ Anfang Oktober 2009 in Berlin macht Ebel-Waldmann deutlich, wo der VDL noch Probleme sieht:
„Die Dauer des Bachelorstudiums ist nicht einheitlich. Daher ist ein Hochschulwechsel ins Ausland oder sogar in andere Bundesländer nicht ohne weiteres möglich.“
Kritisch sieht er auch, dass sich die Studienzeit auf sechs Semester verkürzt hat, weil nicht selten die Inhalte der achtsemestrigen Diplomstudiengänge in diesen kürzeren Zeitraum hineingezwängt wurden. „Es hat eine Verschulung stattgefunden bei Anwesenheitspflichten mit starren Modulen. Wo kann ich als Student da noch über den Tellerrand schauen?“, fragt Ebel-Waldmann.
Bei den sehr vollen Studienplänen bliebe den Studenten auch keine Zeit für Praktika. Wer aber in drei Jahren ohne Praktikum durchs Studium hetzt, sei nur eingeschränkt für die Unternehmen verwendbar und verbaue sich auch den Weg in den öffentlichen Dienst.
Auch könnten kaum noch Studenten neben dem Studium arbeiten. „Es ist fraglich, ob ein so schnelles Studium unter den jetzigen Rahmenbedingungen sinnvoll ist“, bringt er auf den Punkt.

Kaum Zeit fürs Praktikum

Christian Bahsitta (23) bestätigt die Aussagen von Ebel-Waldmann. Bashitta studiert im 5. Semester Agrarwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ist stellvertretender Vorsitzender des Fachschaftsrates.
„Wir haben einen festen Stundenplan und Studienzeiten von 8 bis 18:00, manchmal auch länger. Zum Nacharbeiten ist relativ wenig Zeit im Semester“, berichtet er. Wenn man nacharbeitet, kommt man schnell auf 50 bis 60 Wochenstunden. Was die Studenten kritisieren, sind die engen Prüfungszeiträume. „Zwei Wochen nach Semesterende haben wir in der Regel fünf bis sieben Prüfungen“, schildert der Student. Die vielen Prüfungen binden auch Personal, das an anderen Stellen fehlt.
Um den Prüfungsstress etwas zu entzerren, legen die Studenten einen Teil der Prüfung häufig auf den Zeitraum der Nachprüfungen. Dann bleibt aber zwischen den Semestern keine Zeit für Praktika. Denn die Uni Halle erkennt ein Praktikum erst ab einem Zeitraum von sechs Wochen am Stück an.
Von den Inhalten vermisst Bashitta Fächer wie Menschenführung, Arbeits- und Personalwirtschaft oder Agrarrecht. Da viele der ostdeutschen Studenten auf einem der Großbetriebe im Osten anfangen, wäre das aber aus seiner Sicht wichtig.

Bologna nicht vorschnell verurteilen

„Viele Dinge im Bologna-Prozess werden jetzt als problematisch wahrgenommen, die es vorher auch schon gab“, mahnt Henning Dettleff dazu, die Reform nicht vorschnell zu verurteilen. Dettleff arbeitet in der Abteilung Bildung/Berufliche Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).
Denn mangelhafte Mobilität, fehlende Anrechnung, hohe Abbrecherquote usw. wären vorher auch schon da gewesen. „Tatsächlich sind im Laufe der Bologna-Reform die Abbrecherquoten im Schnitt gesunken. Die Anerkennung der Studienleistung ist dagegen gestiegen. „Früher haben nur 41 % der Studierenden eine volle Anerkennung ihrer im Ausland erbrachten Studienleistung bekommen. Die Zahl steigt kontinuierlich und liegt jetzt bei 50 % und in den Bachelor- und Masterstudiengängen bei 63 %“, erklärt Dettleff.
Auch würden viele Studierende von einer höheren Zufriedenheit mit ihrem Studium als früher berichten, fasst er die Ergebnisse von Studien zusammen.
Zwar gäbe es Umsetzungsprobleme. „Aber man darf nicht alle Probleme dem Bologna-Prozess anlasten“, rät er. Denn viele Hochschulpolitiker hätten den Bologna-Prozess als eine Art trojanisches Pferd genutzt, um auf diesen Wege noch andere Anliegen umzusetzen. Dazu zählt Dettleff die Einführung der Studiengebühren, Beschränkung des Zugangs zum Master oder die empfundene Gleichstellung von FH und Unis, die alle nichts mit dem Bologna-Reform zu tun hätten.
„Der Bologna-Prozess ist eine riesige Reform, nicht nur der Strukturen, auch der Inhalte, der Methoden, der Prüf- und Lehrmethoden“, zählt er auf. Für eine Reform diesen Ausmaßes seien in den vergangenen zehn Jahren sehr große Erfolge verzeichnet worden. Man könne nicht erwarten, dass eine solche Refom ohne Umsetzungsprobleme vollständig abläuft.

Positive Erfahrung in Rendsburg

Dem stimmt auch Prof. Dr. Martin Braatz zu. Braatz ist Professor für Agrarökonomie an der FH Rendsburg und gleichzeitig auch stellv. Vorsitzender des Fachbereichstages der Fachhochschulen. „Wir müssen bei der Umstellung mehr Geduld haben. Auch bei den Diplomstudiengängen haben wir im Laufe der Jahre viel verändern müssen“, fordert er.
Die Fachhochschule Rendsburg hat die alten acht Semester des Diplomstudiengangs auf sechs Semester verdichtet. „Wir haben vor allem das Diplomarbeitssemester herausgenommen und haben es mit der Bachelorarbeit ins sechste Semester integriert. Außerdem haben wir das Praxissemester auf acht Wochen verkürzt“, erläutert er.
Der sechssemestrige Bachelor war der FH vom Land Schleswig-Holstein vorgeschrieben worden, was sich jetzt aber ändert. „Wir werden wieder auf sieben Semester erweitern, da die acht Wochen Praktikum einfach zu kurz waren“, macht Braatz aufmerksam.
Was sich bei der Lehre geändert hat: In einem Modul sind heute sowohl eine Vorlesung, ein Praktikum, eine Übung und ein Seminar enthalten. Zu einer Lehrveranstaltung gehören unterschiedliche Lehrformen.
Festzustellen sei die höhere Arbeitsbelastung für die Studenten. Sie ergibt sich daraus: 1 Credit Point entspricht etwa 30 Stunden eines durchschnittlichen Studenten (siehe dazu auch das „Kleine Bologna-Glossar“). Wenn er in einem Jahr 60 Credits schaffen soll, kommt er auf 1800 Arbeitsstunden. Das wäre zwar noch zu schaffen. „Aber unsere Studierenden arbeiten fast alle neben dem Studium, sehr viele auf dem elterlichen Betrieb“, erklärt Braaatz. Dadurch erhöht sich die Arbeitsbelastung im Semester.
Geändert hat sich gegenüber früher, dass viel mehr praxisorientierte Projektarbeit in die Lehrveranstaltungen integriert sind. Die Professoren in Rendsburg fahren so z.B. mit den Studenten auf landwirtschaftliche Betriebe und hören sich deren Probleme an. Anschließend müssen die Studenten diese Probleme in Projektarbeit lösen und dem Landwirt vorstellen.
Die Projektarbeit, aber auch die häufigeren Prüfungen haben laut Braatz auch die Belastung für die Dozenten erhöht.
Eine weitere wichtige Änderung: Da alle Studiengänge aller Hochschulen akkreditiert sind, sind die Studiengänge an Fachhochschulen und Universitäten heute anders als früher gleichwertig. „Sie sind allerdings nicht gleich, denn einige Hochschulen haben eine Forschungsorientierung, andere sind eher anwendungsorientiert“, erklärt Braaatz.
Um sich zu unterscheiden, strebe jede Hochschule mehr als früher eine Profilierung an. Das Profil der FH Rendsburg ist beispielsweise, dass die Studenten auf die Leitung eines größeren landwirtschaftlichen Betriebes vorbereitet werden. Universitäten seien in der Regel sehr viel stärker in der Forschung im Grundlagenbereich
Anders als früher gibt es keine Spezialisierung in Tier, Pflanze und Wirtschaft mehr. Heute kann der Student aus 40 einzelnen Fächern sein Profil nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen. Noch eine Besonderheit: In Rendsburg gibt es einen Masterstudiengang „Agrarmanagement“, den die FH zusammen mit der Universität in Kiel anbietet.
Zwischen 50 % und 60 % der Absolventen geht mit dem Bachelor in die praktische Landwirtschaft als Betriebsleiter zurück. Der Rest geht in zu in die Beratung oder wird Verwalter in landwirtschaftlichen Unternehmen. In den öffentlichen Dienst dagegen geht kaum jemand.
Wo Braatz den anderen Referenten zustimmt: Die Verdichtung auf 6 Semester führt dazu, dass die Studenten die Hochschule nicht mehr wechseln. Auch sei die Internationalität, die Bologna fördern wollte, nicht verstärkt worden. „Wir müssen den Studenten mehr Freiraum gewähren und in der Anerkennungspraxis flexibler werden“, fordert er.
Das sieht Prof. Dr. Roland Bauer, Vorsitzender des Fachbereichstages der Fachhochschulen und Landtechnik-Dozent an der FH Weihenstephan zwar genauso. „Ein Wechsel zwischen den Hochschulen bleibt schwierig, weil die Länder bestimmte Semesterzahlen vorschreiben“, macht er deutlich. So dürfen Fachhochschulen in Bayern oder Baden-Württemberg nur ein siebensemestriges Bachelorstudium anbieten. In anderen Regionen dagegen sind sechs Semester vorgeschrieben.

Wechsel von FH an die Uni bleibt schwer

Auch Prof. Dr. Karl Mühling, Direktor am Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde an der Christian-Albrechts-Universität sieht heute viele Vorteile durch die Umstellung auf Bachelor und Master. Seit der Umstellung sei die Studentenzahl deutlich angestiegen, was er nicht nur darauf zurückführt, dass in Schleswig-Holstein keine Studiengebühren erhoben werden. „Wir hatten im letzten Jahr so viele Anfragen, dass wir einen NC einführen mussten“, macht er deutlich.
Die Uni Kiel hat bei den Agrarwissenschaften wie im Diplomstudium weiterhin die Richtungen Nutztier, Nutzpflanzen, Umwelt und Ökonomie aufrecht gehalten.
Einen Vorteil der neuen Studiengänge sieht er darin, dass man schneller auf den Markt reagieren kann. „Wenn man merkt, dass bestimmte Absolventen nicht mehr gefragt sind. können wir Studienrichtungen oder -gänge ändern“, begründet er dieses.
Wo Mühling dagegen noch Schwierigkeiten sieht: Wechseln Studenten mit einem FH-Bachelor an die Uni, um ihren Master zu machen, fehlt es ihnen sehr häufig an Grundlagen wie Chemie oder Physik. „Das nächste Problem ist, wenn Studenten mit einem FH-Master in die Promotion wollen“, macht er aufmerksam. Sein Rat: Wer promovieren will, sollte den Master an der Uni anstreben und nicht an der FH.
Prof. Braatz bestätigt das: „Unser Profil an der Fachhochschule ist nicht, Studierende auf eine wissenschaftliche Karriere oder eine Promotion vorzubereiten. Dort brauche ich mehr naturwissenschaftliche Grundlagen. Die können und wollen wir in den drei Jahren nicht vermitteln.“ Wer sich für ein Studium entscheidet, müsse sich also vorher genau überlegen, was er hinterher machen will.
Die Erfahrung der FH Rendsburg: Die Bachelorabsolventen füllen die Tätigkeitsfelder es früheren Dipl. Ing. voll aus. „Die Übergangsquote in den Master ist sehr gering. weil der Arbeitsmarkt zu interessant ist“, erklärt der Professor.
Das zeige, dass der FH-Bachelor berufsfertig und berufsfähig sei. „Ich habe sehr viele Nachfragen aus der Wirtschaft, die uns nach Personal fragen. Bei sind 85 bis 90 % der Studenten schon vor ihrer Verabschiedung schon im Job.“
Ähnlich ist es an der Uni Kiel: Nur rund 20 % der Studenten gehen vom Bachelor zum Master über. Grund ist hier aber nicht die Berufsfertigkeit des Bachelor, sondern ein Numerus Clausus mit der Note 2,5 beim Einstieg in den Master.
Wer daran scheitert, ist aber anders als früher mit dem Vordiplom einen Schritt weiter, da der Bachelor als berufsqualifizierender Abschluss gilt. „Entgegen unseren Befürchtungen bekommen auch Uni-Bachelorabsolventen Jobs, in Schleswig-Holstein z.B. bei den Maschinenringen“, erklärt Mühling. Wer dagegen als Berater tätig werden will, sollte keinen Bachelor-Abschluss an der Uni anstreben, da dafür die Praxiserfahrung fehlt.
„Es gab viele Diskussionen um die Frage der Berufsqualifizierung des Bachelor. Das muss als erste Berufsqualifizierung verstanden werden und nicht als abschließende, da der Absolvent auch später einen Master machen kann“, fordert Henning Dettleff (BDA).
Die Berufsqualifizierung des Bachelor bestätigt sich laut Dettleff anhand der geringen Übergangsquoten vom Bachelor zum Master. Sie liegt bei 41 % bei den Fachhochschulen und bei etwas über 70 % bei den Universitäten.
Mittlerweile gibt es einen differenzierten Arbeitsmarkt für Bachelor und Masterabsolventen. Die Erwartungen, die Unternehmen an Bachelor und Master haben, sind dabei durchaus unterschiedlich. Viele der kleinen mittelständischen Unternehmen seien noch nicht vertraut mit den Studienabschlüssen. Allgemein sollen Bachelorabsolventen aus Sicht der Unternehmen eher über ein sehr breites Wissen verfügen, Masterabsolventen eher spezifische Kenntnisse besitzen.
„Es gibt FH und Unis mit verschiedenen Schwerpunkten. Bei der Einstellung schauen wir sehr genau, wo die Bewerber herkommen“, macht Dr. Thomas Christen, Leiter Kundenservice bei der BASF Ludwigshafen, die Sicht eines Unternehmens deutlich. Dabei geht es nicht nur um Master-Studenten oder Promovierte. Bachelor-Absolventen könnten z.B. bei BASF als Referent im Marketingbereich eingesetzt werden.

Schlussfolgerungen

Das Zwischenfazit von Hochschulen, Verbänden und der Wirtschaft zeigt, dass die Bologna-Reform zwar überwiegend als positiv angesehen wird. Doch im Detail gibt es noch erhebliche Umstellungsschwierigkeiten. Im Sinne der Studenten ist zu hoffen, dass diese jetzt möglichst schnell und im Dialog zwischen Bund, Ländern, Hochschulen und der Wirtschaft ausgeräumt werden.

Hinrich Neumann


Die Bologna-Reform auf einen Blick

Am 28. Mai 1998 haben Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien mit der „Sorbonne-Deklaration“ beschlossen, Hemmnisse bei der Zusammenarbeit in der Hochschulentwicklung abzubauen. Das Potenzial der europäischen Hochschulen sollte besser ausgereizt werden. Ein Jahr später unterzeichneten 29 europäische Nationen die Bologna-Deklaration mit dem Ziel, bis 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Die Deklaration umfasste sechs Punkte, die in allen EU-Länder gültig sein sollten:

  • Ein System leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse schaffen,
  • ein zweistufiges System von Studienabschlüssen einführen,
  • ein Leistungspunktesystem nach dem ECTS-Modell entwerfen,
  • Mobilität erhöht durch Beseitigung von Hemmnissen fördern,
  • die europäische Zusammenarbeit im Bereich der Qualitätssicherung verbessern,
  • die Hochschulausbildung „europäischer“machen.

Deutschland hat bereits im Jahr 2002 die Bachelor- und Masterstudiengänge ins Regelangebot der Hochschulen überführt. Die letzten Hochschulen stellen jetzt um. Auch sind die neuen Studiengänge größtenteils in den Landeshochschulgesetze verankert.
Im Agrarsektor sind mit 92,2 % die meisten der Studiengänge umgestellt, gefolgt von den Ingenieurswissenschaften (90,6 %) und Wirtschaft- und Sozialwissenschaften.
76 % aller Studiengänge schließen insgesamt mit einem Bachelor- oder Master ab. Nur die Fächer Medizin und Jura halten am bisherigen Staatsexamen fest.
Im Sommersemester 2009 gab es laut Hochschulrektorenkonferenz bundesweit 5309 Bachelor- und 4201 Masterstudiengänge. Bei den Agrar-, Forst – und Ernährungswissenchaften gab es 116 Bachelor- und 107 Masterstudiengänge.
Die neuen Studiengänge werden in Modulen angeboten und sie enthalten ein Leistungspunkteprogramm sowie studienbegleitende Prüfungen.
73,9 % der Bachelorstudiengänge sind drei Jahre lang mit 180 ECTS-Punkten. 75,3 % der Masterstudiengänge dauern zwei Jahre lang mit 120 ECTS-Punkten. (Quelle: Markus Ebel-Waldmann, VDL Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e.V.)

Kleines Bologna-Glossar ECTS steht für European Credit Transfer and Accumulation System; es soll sicherstellen, dass die Leistungen von Studenten im europäischen Hochschulraum vergleichbar sind und beim Wechsel von einer Hochschule zu anderen auch international anerkannt werden. Die Studienleistungen werden in Credit Points (CP, Leistungspunkte) bewertet. Ein Leistungspunkt entspricht etwa 30 Arbeitsstunden. Ein studentisches Arbeitsjahr mit 1500 bis 1800 Stunden bedeutet daher etwa 60 CP. Als work load wird die Arbeitslast bezeichnet, die neben Vorlesungen auch Vor- und Nachbereitung berücksichtigt. Damit unterscheidet sich der work load von der alten Semesterwochenstundenzahl, die nur die Präsenzzeit an der Uni berücksichtigt. Unabhängig von der Präsenzzeit können also Module unterschiedlich viele CP zugewiesen bekommen. Am Ende des Studiums erhält der Absolvent zusammen mit seinem Prüfungszeugnis das Diploma Supplement, das nicht nur Auskunft über die Studieninhalte gibt, sondern auch über besondere Kenntnisse, die sich der Absolvent im Studium angeeignet hat.

Das fordern die Verbände jetzt von den Hochschulen
Auf der Tagung „Agrarstudium in Deutschland – Wohin geht der Weg?“ in Berlin haben verschiedene Agrar- und Arbeitgeberverbände Wünsche an die Hochschulen gerichtet. Daraus geht hervor, wo die Verbände bei der Bologna-Reform noch Nachbesserungsbedarf sehen.
Der Bundesverband Agrar, Ernährung und Umwelt (VDL) regt an, dass der Master der Regelabschluss wird. Der Bachelor soll aber trotzdem durch Integration von Praktika zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss werden.
Es müssen zusätzliche Lehrkapazitäten geschaffen werden. „70 bis 80 % der Studierenden sollen den Masterabschluss machen können und dürfen, nicht nur 20 bis 30 % wie bisher“, fordert VDL-Präsident Markus Ebel-Waldmann. Auch sollte der Masterabschluss gleichzeitig als „Diplom“ bezeichnet werden können, weil das ein deutsches Markenzeichen sei und internationales Renommee erreicht habe.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert:

  • Wir müssen weg von der Präsenzzeit der Studenten an der Hochschule hin zum Selbststudium, betreuten Praxisphasen und Projekten. Die Hochschulen dürfen nicht einfach nur Semesterwochenstunden in ECTS umrechnen, sondern müssen die studentische Arbeitsbelastung stärker berücksichtigen.
  • Wir müssen weg von der Eigenbrötlerei der Lehrenden hin zum vernetzten Studium. Das bedeutet auch, die Zahl der Prüfungen zu reduzieren, indem die Lehrveranstaltungen zu größeren Einheiten zusammengefasst werden.
  • Wir müssen weg von der Prüfwissensfrage zu der kompetenzorientierten Lehr- und Prüfungsformen. Das bedeutet weniger Verschulung und weniger Wissensabfrage.
  • Die Hochschulen sollen verstärkt mit anderen kooperieren, damit die Studierenden häufiger den Hochschulort wechseln.

Viele Agrarhochschulen verlieren an Bedeutung und Personal. „Vernetzung und Konzentration ist daher nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch bei den Wissenschaften wichtig“, meint Carl-Abrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Stipendien, Auftragsforschung oder Stiftungsprofessuren seien erste Schritte. Zur Unterstützung des Prozesses will die DLG im Jahr 2010 ein internationales Pflanzenbauzentrums errichten, das ein zentraler Versuchs- und Forschungsstandort in Deutschland sein soll. Hier soll die angewandte Forschung der Kammern, über die FH bis zu den Hochschulen vernetzt werden.
„In der Forschung fehlt bei uns ein universitätsübergreifendes Management“, kritisiert Dr. Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. Wissenschaftler sollten die starke Vereinzelung und das starke Lehrstuhldenken aufgeben und mehr im Verbund mit anderen agieren, die Forschung praxisnah ausrichten und gemeinsam öffentliche und private Forschungsgelder beantragen.