Auszüge aus der aktuellen Ausgabe:

E-Learning: Wenn der Professor aus dem Computer spricht

06. Juni 2010

An vielen Agrar-Hochschulen zieht das computergestützte Lernen, das „E-Learning“ ein. Welche Vorteile bietet es? Und wird es die klassischen Vorlesungen aus dem Hörsaal verbannen?...

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Eine große Herausforderung für die Ingenieure der Zukunft ist, die Ökologie und die Ökonomie weiter zu verbessern. Denn in Europa ist eine Intensivierung und damit ein Trend zu größeren Maschinen zu erwarten, wie Sie auf dieser Folie sehen“, erklärt Prof. Dr. Hans-Heinrich Harms vom Institut für Landmaschinen und Fluidtechnik an der TU Braunschweig. Der Zeiger der Maus bewegt sich über die Power-Point-Präsentation.

Rund 80 Studenten verfolgen die Vorlesung „Antriebstechnik“ im Hörsaal in Braunschweig. Doch nicht nur sie: Ebenso hören ihn auch Studenten an der Universität in Linz (Österreich). Und ein weiterer Student lauscht dem Professor von einem Straßencafe aus in Compiègne in Frankreich.

Abruf über das Internet

Möglich wird das dank einer Videoaufzeichnung, die passwortgeschützt über das Internet abzurufen ist. „Ich lasse inzwischen jede meiner Vorlesungen aufzeichnen. Mit einem speziellen Programm wird sie so aufbereitet, dass auf dem Bildschirm die Folieninhalte und gleichzeitig auch die Videoaufzeichnung sichtbar sind“, beschreibt Harms. Damit können die Studenten die Vorlesung nachvollziehen, ohne persönlich im Hörsaal anwesend zu sein. Auch zur Prüfungsvorbereitung ist das System geeignet: Denn die Folien der Präsentation sind wie Kapitel einzeln aufzurufen. Der Student muss also nicht erst den ganzen Vortrag hören, wenn er nur eine Passage daraus noch einmal hören will.

Auf die Idee zur Aufzeichnung ist Harms gekommen, weil er nicht nur an der TU Braunschweig lehrt, sondern auch einen Lehrauftrag in Linz hat. Mit der Videoaufzeichnung spart er sich die wöchentliche Reise nach Österreich.

Aber auch andere Studenten im In- und Ausland profitieren inzwischen von dem Angebot: Sie können sich die Vorlesung dann anhören, wenn es ihnen zeitlich passt – auch abends. „Das kommt vielen Studenten entgegen, die beispielsweise eine Parallelveranstaltung besuchen“, ist Harms überzeugt. Das macht er daran fest, dass inzwischen weniger Studenten die Vorlesung besuchen, dafür aber mehr an der Prüfung teilnehmen.

Ein Drittel der Hochschulen schon aktiv

In Fachkreisen wird diese Art der Wissensvermittlung als „E-Learning“ bezeichnet. „Unter diese Art der Wissensvermittlung fällt ganz allgemein die computergestützte Aus- und Weiterbildung “, erklärt Axel Wolpert, Leiter der Geschäftsstelle des Deutschen Netzwerks der E-Learning Akteure (D-ELAN).

Auch immer mehr Hochschulen nutzen diese Art des Lehrens. „An vielen wird ein gutes Drittel der Präsenzkurse heute schon mit verschiedenen Online-Angeboten kombiniert“, weiß Dr. Anne Thillosen vom Projekt „e-teaching.org“ am Institut für Wissensmedien aus Tübingen. Das Informationsportal unterstützt Hochschulen, die E-Learning in die Lehre integrieren wollen.

Die einfachste Form des E-Learnings ist es, Vorlesungsskripte als pdf ins Internet zu stellen. Ein weitergehendes Angebot sind Audio- und Videoaufzeichnungen. „ Wichtig ist es, dazu auch Kommunikationsmöglichkeiten zu schaffen, mit deren Hilfe die Studierenden untereinander oder mit dem Dozenten in Kontakt treten können“, erklärt Thillosen. Das kann in Form von Chats oder einem „virtuellen Klassenzimmer“ erfolgen, bei dem die Teilnehmer wie bei einer Konferenzschaltung mit einander in Kontakt stehen. Darüber lassen sich auch online Powerpoint-Präsentationen halten oder die Teilnehmer können gemeinsam an Texten oder Grafiken arbeiten.

Kein Ersatz für Präsenzphasen

Wird der Trend an den Hochschulen soweit gehen, dass Studenten künftig nur noch vor dem Notebook studieren? „Nein, eine gewisse Präsenz an der Hochschule wird es immer geben müssen. Denn sonst wären wir bei einem klassischen Fernstudium“, entgegnet Prof. Harms (TU Braunschweig). Um die Anbindung an die Uni weiterhin zu fördern, bietet er die vorlesungsbegleiteten Übungen nicht zusätzlich im Internet an. Hierfür müssen die Studenten in die Uni kommen. So auch in Linz: Dort übernimmt einer von Harms Assistenten die Übungen in Form von Blockunterricht.

Ähnlich positioniert sich auch die Universität Hohenheim. „Wir möchten die Lehre aber nicht durch E-Learning komplett ersetzen, sondern den Studierenden damit einen zusätzlichen Service bieten“, betont Tanja Ottenbacher, Leiterin der Arbeitsstelle Hochschuldidaktik an der Uni Hohenheim. Gerade im Agrarstudium sei der Kontakt untereinander wegen der häufig sehr kleinen Lerngruppen wichtig.

In Hohenheim bieten Professoren seit etwa sechs Jahren E-Learning-Elemente zur Unterstützung der Präsenzlehre an. Zu den Pionieren zählen vor allem Lehrende aus dem Bereich der Agrarwissenschaften.

Ottenbacher beschreibt die Unterschiede zwischen Präsenzphase und E-Learning so: „Beim E-Learning fördert man die Medienkompetenz, nicht aber soziale Kompetenzen.“ Diese sind aber wichtig, auch im späteren Berufsleben. Hier sind auch Teamfähigkeit oder die Fähigkeit gefragt, Projektergebnisse vor Publikum vorzustellen.

Das E-Learning-Angebot der Lehrenden reicht vom Einstellen von Vorlesungsskripten auf die Lernplattform, die die Studenten über das Internet abrufen können, bis zu komplexen Lernmodulen oder Vorlesungsaufzeichnungen, mit deren Hilfe die Studenten Präsenzveranstaltungen vor- oder nachbereiten können. Dazu zählen auch computergestützte Trainingseinheiten. Das ist besonders in den Semesterferien vorteilhaft: Die Studenten können sich von überall über das Internet einwählen und müssen nicht extra auf den Campus kommen.

Außerdem können sich die Studenten auf der Lernplattform „Ilias“ im Chat oder in Foren austauschen. Ein neuer Trend bei den Agrarwissenschaften sind auch computergestützte Abschlussprüfungen. „Es handelt sich dabei um Multiple-Choice-Tests, die die Studenten an der Uni an dafür vorgesehenen Rechnern absolvieren“, erklärt Ulrich Forster vom Rechenzentrum der Uni Hohenheim. Der Vorteil dabei ist, dass sich diese Tests schneller auswerten lassen.

Seit drei Jahren hat sich E-Learning auch an der Fachhochschule Osnabrück bewährt. Prof. Dr. Robby Andersson, Leiter des Fachgebietes „Tierhaltung und Produkte/ Poultry Management“ hält überhaupt keine klassischen Vorlesungen im Vortragsstil mehr. Den Lehrstoff erhalten die Studierenden aus dem Internet, wo sie sich über ein Passwort auf den Seiten des Fachgebietes einloggen können, sowie in seminarähnlichen Präsenzveranstaltungen. „Wir setzen dabei auf kurze, komprimierte Informationen in schriftlicher Form“, erklärt Andersson.

Wissensportal statt Lehrbuch

Dieses Wissensportal ist wie das Online-Lexikon „Wikipedia“ aufgebaut. Bei dieser „Wiki“ genannten Darstellungsform erhält der Nutzer auf der Startseite erst einmal eine Gliederung der Vorlesungsinhalte als Überblick – ähnlich wie beim Inhaltsverzeichnis eines Lehrbuches. Jedes einzelne Kapitel lässt sich dann per Mausklick gesondert aufrufen. Beim Anklicken bestimmter Fachausdrücke gelangt man zu weiteren Seiten und kann so ganz nach Belieben immer tiefer in die Materie einsteigen. Das System ist mit einem Baum zu vergleichen: Während die Gliederungsebene den Stamm darstellt, führt jeder Klick immer weiter über Äste zu Zweigen hin zu einzelnen Blättern.

Dieses elektronische „Lehrbuch“ nutzt im Gegensatz zur reinen gedruckten Form alle Medien wie z.B. kleine Filmsequenzen, mit denen Studenten einen virtuellen Blick in einen Stall werfen oder Bewegungsabläufe von Tieren nachvollziehen können. Die Videoaufzeichnungen aus Tierställen sowie Live-Schaltungen in Ställe können Exkursionen ersetzen, zumal Studentengruppen in moderne Tierställe aus hygienischen Gründen sehr ungern hereingelassen werden.

„Ein weiterer Vorteil ist, dass wir das Portal Studierenden aller Semester anbieten können“, erklärt Andersson. Erstsemester können selbst entscheiden, wie tief sie einsteigen. Aber auch zur Prüfungsvorbereitung hilft das System, da man sich schnell einen Überblick über die behandelten Themen verschaffen kann.

Genauso hilft das System Neueinsteigern. „Es gibt nur wenige Studiengänge mit Schwerpunkt Geflügel so wie bei uns. Hochschulwechsler können sich selbst auf den gleichen Stand bringen wie die Studenten hier vor Ort“, begründet er dieses.

Ein weiterer Vorteil: Neben den Studierenden sind auch international agierende Wirtschaftsunternehmen wie Geflügelzüchter oder Hersteller von Stallsystemen integriert. Sie formulieren Fragestellungen, die die Studenten in Arbeitsgruppen bearbeiten, bieten aber auch Hilfe bei Fragen der Studenten. Über diesen Dialog wissen Andersson und seine Studenten immer, welche Probleme aktuell in der Wirtschaft diskutiert werden und was die Absolventen nach dem Studium erwartet. Gleichzeitig nutzen die angeschlossenen Firmen einen Teil der Lehrinhalte zur Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern.

Studenten arbeiten als Tutoren mit

Auf die Lehrinhalte haben aber nur die Professoren Zugriff. Alle Inhalte sind Korrektur gelesen und von den Lehrenden autorisiert, um Fehler zu vermeiden. Da die Aktualisierung und Erweiterung des Systems viel Zeit kostet, bietet Andersson inzwischen Bachelorarbeiten zu Themen an, die bei den Lehrinhalten noch fehlen. „Statt einer klassischen Bachelorarbeit in gedruckter Form erscheint ihre Arbeit im Internet als Zweig oder Blatt unserer Lehrplattform“, beschreibt der Professor.

Der Professor wird durch Tutoren unterstützt. Das sind ebenfalls Studenten aus höheren Semestern, die speziell für die Betreuung des Internetangebotes geschult wurden. „Das erspart mir viel Zeit, denn ich kann nicht alle Zwischenschritte eines Projekts verfolgen“, erklärt Andersson. Stattdessen liest er nur die Ergebnisse und diskutiert bzw. ergänzt diese dann in der Lehrveranstaltung des jeweiligen Semesters.

Die Tutoren erwerben übrigens bei dieser Betreuungstätigkeit selbst auch interessante Kompetenzen beim Umgang mit dem Internet. Diese sind neuerdings auch am Markt gefragt: So hat eine ehemalige Tutorin kürzlich eine Stelle bei der Internetredaktion einer Fachzeitschrift erhalten.

Gleichzeitig bedeutet das aber auch eine große Herausforderung für den Lehrenden. Der Zeitaufwand ist für ihn zwar nicht viel höher als wenn er eine Powerpoint-Präsentation erstellt und aktualisiert. „Ich kann mich aber nicht wie bei klassischen Vorlesungen gezielt vorbereiten. Man wird in den Präsenzphasen oder im Forum auch mit Fragen konfrontiert, die sich spontan nicht beantworten lassen.“

E-Learning kompensiert Bachelor-Verkürzung

Aber die Lehre hat sich durch das Angebot aus Sicht der Studenten deutlich verbessert, ist er überzeugt. Auch hilft das System, die Umstellung der Bologna-Reform besser umzusetzen. Denn mit der Umstellung vom Diplom- auf den Bachelorstudiengang und damit der Verkürzung von acht auf sechs Vorlesungssemester musste auch der Lernstoff stark komprimiert werden. „Indem die Studierenden eigenständige Lernphasen einlegen und das reine Konsumieren in der Vorlesung wegfällt, sparen wir auf diese Weise Zeit, ohne auf Lernstoff verzichten zu müssen“, hat Andersson inzwischen festgestellt.

Gleichzeitig lernen die Studenten, die Vielzahl von Informationen, die heute in gedruckter und digitalisierter Form auf sie einströmt, zu filtern und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – eine Schlüsselqualifikation, die auch bei vielen Firmen sehr gefragt ist.

Und wie kommt diese neue Form des Lernens bei den Studenten an? „Die meisten beurteilen den zusätzlichen Service positiv“, erläutert Tanja Ottenbacher (Abteilung Hochschuldidaktik der Uni Hohenheim). „Das geht soweit, dass sie E-Learningangebote auch bei den Professoren einfordern, die sich damit bislang kaum beschäftigt haben.“

Was können Personalberater für Berufseinsteiger tun?

06. Juni 2010

On track ist dieser Frage nachgegangen und hat mit dem Personalvermittler Manfred Lorenzen gesprochen...

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on track: Herr Lorenzen, seit 1995 leiten Sie das von Ihnen gegründete Unternehmen Lorenzen LMV Consulting und sind als Personalvermittler und Consultant tätig. Im Auftrag Ihrer Kunden fahnden Sie nach qualifizierten Mitarbeitern, gut ausgebildeten Nachwuchskräften und Arbeitnehmern mit Spezialkenntnissen. Umgangssprachlich wird Ihr Berufsstand oft als „Headhunter“ bezeichnet. Hören Sie diesen Ausdruck eigentlich gerne?

Lorenzen: Ich selbst bezeichne mich als Personalberater. Das hat allerdings weniger mit meiner persönlichen Einstellung zu tun. Viel entscheidender ist der Standpunkt meiner Auftraggeber. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Begriff Headhunter in Deutschland bei vielen Arbeitgebern und leider auch bei vielen Arbeitnehmern negative Reaktionen hervorruft. Auf die Bezeichnung Personalberater reagieren die meisten dagegen deutlich positiver. Auch Headhunter suchen im Auftrag ihrer Kunden nach qualifizierten Mitarbeitern, vornehmlich für Führungspositionen.

on track: Wie arbeitet ein Personalberater?

Lorenzen: Unsere Tätigkeiten gliedern sich in mehrere große Aufgabenbereiche. Zunächst beschäftigen wir uns mit den freien, neu zu besetzenden Arbeitsstellen für unsere Auftraggeber. Wir nehmen Informationen über die Arbeitsinhalte auf, schließen exklusive Vermittlungsverträge ab, erstellen Arbeitsplatzprofile und überprüfen, ob es Übereinstimmungen mit bereits vorliegenden Bewerberprofilen gibt. Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Sichten neuer Bewerbungen, die uns jeden Tag erreichen. Wir lesen und archivieren die Bewerbungen, nehmen die Bewerber in unseren internen Bewerberpool auf und erstellen anonymisierte Bewerberprofile. Der dritte große Bereich ist die aktive Kontaktpflege, Arbeitnehmervermittlung und Beratung. Hier halten wir intensiven Kontakt zu interessierten Bewerbern und Personalabteilungen, stehen ihnen für Fragen zur Verfügung und bauen neue Kontakte zu interessanten Mitarbeitern auf. Außerdem aktualisieren wir die Jobbörse auf unserer Homepage. In regelmäßigen Abständen informieren wir Unternehmen und Interessenten, die sich beruflich verändern möchten, per Newsletter über neue Stellenangebote oder interessante Bewerberprofile.

on track: Wie offen gehen Sie mit den Daten der Bewerber um?

Lorenzen: Wir unterliegen sehr strengen Datenschutzauflagen, die wir strikt einhalten. Da wir ausschließlich mit anonymisierten Bewerberprofilen arbeiten, können wir ausschließen, dass persönliche Daten oder sensible Informationen der Bewerberinnen und Bewerber an dritte Personen gelangen. Es sei denn, dass uns der Betreffende eine ausdrückliche, schriftliche Erlaubnis für die Weitergabe bestimmter Informationen gibt. Selbstverständlich unterliegen auch die vertraulichen Informationen der Unternehmen strenger Geheimhaltung. Daher sind die Stellenangebote, die wir im Auftrag unserer Mandanten veröffentlichen, stets anonym.

on track: Wodurch unterscheidet sich Ihr Unternehmen von einer klassischen Zeitarbeitsfirma?

Lorenzen: Zeitarbeitsfirmen schließen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern direkte Arbeitsverträge ab und entleihen sie zu vertraglich fixierten Konditionen an Unternehmen. Das machen wir grundsätzlich nicht.

on track: Welche Unternehmen zählen zu Ihren Auftraggebern?

Lorenzen: Unsere Auftraggeber sind überwiegend mittelständische, familiengeführte Unternehmen aus dem europäischen In- und Ausland und kommen aus der Agrar- und Umwelttechnik, dem Agribusiness, der Kommunaltechnik, dem Baumaschinenwesen und dem Bereich Neue Energien. Die meisten unserer Mandanten beschäftigen bis zu 500 Mitarbeiter.

on track: Auf welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist Ihr Fokus gerichtet? Können sich auch Auszubildende und Akademiker, die kurz vor dem Abschluss ihrer Berufsausbildung bzw. ihres Studiums stehen, an Sie wenden?

Lorenzen: Unsere Mandanten bieten mehrheitlich offene Positionen für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Vertrieb und Marketing an. Wenn Bewerberinnen und Bewerber über eine mehrjährige Berufserfahrung verfügen, ist das grundsätzlich vorteilhaft, allerdings wird diese Erfahrung nicht immer ausdrücklich verlangt oder vorausgesetzt. Selbstverständlich bieten wir auch Auszubildenden und Akademikern, die kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung stehen, unsere Dienstleistungen an. Besonders interessant und gefragt sind hier Hilfestellungen für den Berufseinsteiger und die Karriereplanung.

on track: Wie genau sehen diese Hilfestellungen aus?

Lorenzen: Zum einen bieten wir eine fachkundige Unterstützung bei der Gestaltung der Bewerbungsunterlagen an. Besonders kritisch ist nach meiner Erfahrung der Lebenslauf. Fünfzig Prozent der Bewerbungsunterlagen, die mich jeden Tag erreichen, enthalten einen inhaltlich unvollständigen und verbesserungswürdigen Lebenslauf. Obwohl sich die Bewerberinnen und Bewerber zweifellos viel Mühe bei der Gestaltung ihrer Bewerbung gegeben haben! Sehr gerne nehmen wir die Lebensläufe von Bewerbern mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, Spezialkenntnissen und besonderen Erfahrungen in anonymisierter Form in unseren wöchentlichen E-Mail Newsletter auf. Damit gelangen wichtige Informationen auf direktem Weg zu den Entscheidungsträgern im Personalmanagement der Unternehmen. Für Auszubildende und Studierende, die kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben stehen, bieten wir außerdem die Insights MDI Profil- und Typenanalyse an.

on track: Insights MDI Profil- und Typenanalyse? Was verbirgt sich dahinter?

Lorenzen: Die Methoden der Insights-Profilanalyse sollen helfen, eigene Neigungen, Stärken und Schwächen aufzudecken und besser einzuschätzen. Junge Berufseinsteiger, die ihre fachlichen, beruflichen und persönlichen Merkmale kennen und richtig einschätzen, vermeiden berufliche Fehlentscheidungen und bewerben sich zielgerichteter auf die für sie geeigneten Positionen.

on track: Wenn Sie die Wunschlisten Ihrer Auftraggeber betrachten, welche Fähigkeiten und Qualifikationen sollten junge Berufseinsteiger mitbringen?

Lorenzen: Sehr wichtig ist die Berufspraxis. Ich kann nur jedem empfehlen, soviel Praxiserfahrungen wie möglich zu sammeln. Ein großes Problem ist häufig die mangelnde Fremdsprachenkompetenz. Daher ist es wichtig, mindestens ein Semester im Ausland zu studieren, Praktika zu absolvieren, oder während der Berufsausbildung einige Wochen außerhalb von Deutschland zu arbeiten. Viele Unternehmen schätzen Nachwuchskräfte, die flexibel sind und an einen anderen Arbeitsort umziehen können. Ein wichtiges Kriterium ist auch der Ansporn, sich stetig weiterzubilden. Hier sollte die Bereitschaft, in das eigene Wissen zu investieren, nicht fehlen.

on track: Herr Lorenzen, vielen Dank für das Gespräch.

 

On track-Jobbörse

Das Unternehmen LMV-Consulting gestaltet gemeinsam mit dem eilbote Boomgaarden Verlag die Internet-Stellenbörse unter www.ontrack-online.eu.

Hier gibt es viele Angebote aus den Bereichen Land- und Baumaschinen sowie Erneuerbare Energien.

Als Landtechniker im Bergbau

06. Juni 2010

Jens Klopmeier ist als Area-Manager für Großhydraulikbagger zuständig, die in den Minen Südostasiens laufen. Mit speziellen Praktika und dem Studium Landmaschinentechnik an der FH Köln hat er sich auf diese vielseitige und spannende Aufgabe vorbereitet...

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„Problem in der Mine, der Bagger steht“, liest Jens Klopmeier morgens in einer E-Mail aus Jakarta (Indonesien). Jetzt ist Eile angesagt, das Anliegen erlaubt keinen Aufschub. Klopmeier bespricht das Problem sofort mit den entsprechenden Fachleuten in verschiedenen Abteilungen. Ein schnell zusammengetrommeltes Team arbeitet eine detaillierte Reparaturanleitung aus. Gleichzeitig kümmert sich Klopmeier um den Versand eines wichtigen Ersatzteils. Schon wenige Stunden später ist der Schaden behoben und die Maschine läuft wieder.

Jens Klopmeier (28) arbeitet seit April 2009 als „Junior Area Manager“ bei Komatsu Mining Germany (KMG) in Düsseldorf-Benrath. Das Werk zur Herstellung von Großbaggern gehörte früher zum Mannesmannkonzern (siehe Kasten) und ist seit 1999 dem Komatsu Konzern angegliedert. Die Bagger sind im offenen Tagebau im Einsatz und werden dort zur Verladung von Abraummaterial und zur Rohstoffgewinnung eingesetzt.

Schnittstelle zwischen Außendienst und Werk

Als Area-Manager bildet Klopmeier die Schnittstelle zwischen dem Außendienst und dem Werk. Eine wichtige Aufgabe: Denn die Maschinen im Einsatz benötigen vom Hersteller aus eine ganz andere Betreuung als serienmäßig gefertigte Bau- oder Landmaschinen. „Die Bagger sind so groß, dass sie nicht zur Reparatur in die Werkstatt gefahren werden können. Auch kann der Händler keine Ersatzmaschine zur Verfügung stellen“, erklärt Klopmeier die Besonderheiten.

Das verdeutlichen auch die nackten Zahlen: Die vier Großhydraulikbagger-Modelle haben ein Einsatzgewicht von 250 bis 750 t. Allein die Schaufel des PC 8000, des größten Modells von KMG, hat ein Volumen von 42 m3 und wiegt 69 t! Damit bewegt der Gigant in einer Stunde bis zu 7000 t Steine, Geröll und anderen Abraum, der vorher zur Lockerung gesprengt wurde. Aber auch schon der PC 3000 ist 14 Meter lang, sechs Meter breit und acht Meter hoch. So ein Laderiese benötigt zur richtigen Auslastung LKW von 100 t bis 400 t Nutzlast. Diese Fahrzeuge sind nur für die Arbeit in den Minen konzipiert – für die Straße sind sie zu schwer und zu breit. So wundert es nicht, dass auch die Händler vor Ort in der Mine eine Werkstatt und ein Büro einrichten. Reparaturen und Wartung finden vor Ort statt.

Einzelteile auf 20 Tiefladern

Ein neuer Bagger wird im Werk in Benrath zunächst vormontiert. Alle wichtigen Bauteile werden auf Funktion geprüft und für die spätere Arbeit voreingestellt. Dann läuft die Maschine nicht etwa vom Band wie bei Land- oder Baumaschinen. „Sie wird wieder zerlegt und geht dann erst in die Lackiererei. Anschließend werden die Einzelteile für den Versand fertiggemacht“, schildert Klopmeier den Ablauf.

Das bedeutet: Die Baugruppen kommen in riesige Transportcontainer. Sie werden zunächst vom Werk per Schwerlasttransport zum Düsseldorfer Hafen gebracht und über den Rhein nach Rotterdam oder Antwerpen verschifft. Dort werden sie auf Seeschiffe umgeladen und in die Zielländer transportiert. Rund 20 Tieflader bringen die Einzelteile dann in die Mine, wo sie ein KMG-Serviceteam in zwei bis drei Wochen zusammenbaut. Anschließend erfolgt nach der Einweisung von Bedienern und Servicepersonal vor Ort die Übergabe. „Wegen der Größe der Maschinen erinnert vieles bei unserer Abwicklung an den Anlagenbau“, beschreibt Kundendienstleiter Stephan Nagelschmitz.

Maschinen sind im Dauereinsatz

Die Maschinen sind anschließend rund um die Uhr im Dauereinsatz, sie werden meist im Dreischichtbetrieb bedient. Kein Wunder, dass die Komfortkabinen in fast neun Meter Höhe mit Kühlbox, Waschbecken und Klimaanlage ausgestattet sind. Pro Jahr kommen die Bagger auf 6000 Betriebsstunden. Während ihrer gesamten Lebensdauer werden sie von dem Werk aus betreut. Weltweit sind das seit 1980 mehr als 700 Maschinen. „Wir übernehmen hier viele Serviceaufgaben, wofür im Land- oder Baumaschinenbereich eher der Händler zuständig ist“, nennt Nagelschmitz die Unterschiede zur klassischen Landtechnik. Er weiß, wovon er spricht, denn er hat vorher mehrere Jahre bei einem Landmaschinenhersteller als Vertreter für den asiatischen Raum gearbeitet.

Die Bedeutung des Kundendienstes ist sehr hoch: Wenn so ein Riese steht, stockt die ganze Arbeitskette. „Daher müssen wir schnell handeln, weil dem Minenbetreiber sonst viel Geld verloren geht“, beschreibt Klopmeier.

Dazu kommt: Der Wettbewerb im Minengeschäft ist hart. Neben KMG gibt es nur noch drei weitere Anbieter im Markt. Neben der Qualität der Bagger ist auch der Service ein wichtiges Kaufkriterium. „Wir garantieren Verfügbarkeiten und verkaufen Serviceleistungen mit dem Neugerät“, erklärt Kundendienstleiter Nagelschmitz.

Die Area-Manager müssen sich nicht nur um ungeplante Zwischenfälle kümmern, sondern auch um die Organisation für einen reibungslosen Aufbau der Maschinen oder um die regelmäßigen Wartungseinsätze. Gleichzeitig führen sie bei einzelnen Maschinen Buch über Einsatzstunden, Stillstandzeiten und Art der Ausfälle. „Im Rahmen von kontinuierlichen Verbesserungsprojekten werten wir die Listen regelmäßig aus, können so Schwachstellen aufdecken und ermitteln Verbesserungspotential für den Betrieb der Geräte und für die Serienfertigung“, zählt Klopmeier eine weitere Serviceleistung auf.

Die wichtigsten Absatzgebiete für KMG sind Süd- und Nordamerika, Südafrika, Australien, Russland und Asien. Der europäische Markt ist für diese Gerätegröße begrenzt.

Fünf Area-Manager im Unternehmen

Im Kundendienst arbeiten insgesamt fünf Area-Manager. Jeder ist für eine bestimmte Region zuständig. Klopmeier hat die Region Asien übernommen, wozu Indonesien, die Philippinen, Thailand, Indien und Iran gehören. Jedem Area-Manager ist ein Repräsentant zugeordnet, der in der jeweiligen Zeitzone arbeitet und die Händler oder Direktkunden vor Ort betreut. „Er kann schneller auf Anfragen reagieren als wir, da die Zeitverschiebung von bis zu zwölf Stunden vieles verzögert“, macht Klopmeier aufmerksam.

Sein Repräsentant sitzt in Jakarta (Indonesien). Wenn es in einer Mine zu Problemen kommt, informiert in der Regel der Händler den Repräsentanten und dieser dann den Area-Manager bei KMG.

Wer in diesem Job arbeitet, muss einiges mitbringen: „Unsere Mitarbeiter im Kundendienst brauchen eine gute technische Grundausbildung und sollten auch Praxiserfahrungen haben“, beschreibt Nagelschmitz. Ideal wäre z.B. ein Berufsabschluss im Bau- oder Landmaschinenbereich und darauf aufgesattelt ein Studium. Dabei sollten sich die Studenten schon früh für den Bereich Fahrzeugtechnik bzw. Mobilhydraulik entschieden haben und Studienschwerpunkte sowie Praktika bei Herstellern oder Händlern danach ausrichten. „Da die Bagger aber eine ausgefeilte elektrische Steuerung wie bei einer stationären Anlage besitzen und immer stärker auch in Richtung CAN-Bus-Fähigkeit für neuartige Diagnoselösungen entwickelt werden, sind auch Ingenieure mit Elektro-Kenntnissen gefragt“, zählt Nagelschmitz weiter auf.

Klopmeier hat sich fachliche Hintergründe im Diplomstudiengang „Landmaschinentechnik“ an der FH Köln erworben. Vorher hatte er bei der Bundeswehr in einer Reparaturwerkstatt für LKW und Panzer gearbeitet und danach ein viermonatiges Praktikum in einer Werkstatt beim Tagebau-Betrieb RWE Power absolviert. Hier hat er bei der Reparatur von großen Schaufelradbaggern geholfen. Während des Studiums folgten weitere Praktika bei Landtechnikherstellern oder -werkstätten.

Masterarbeit im Unternehmen geschrieben

Seine Diplomarbeit hat er über die Prozessoptimierung von Oberflächenbeschichtung beim Hersteller Claas in Harsewinkel geschrieben. „Da inzwischen an der FH Köln der Master of Engineering eingerichtet worden war, habe ich nach dem Diplom noch den Master aufgesattelt“, beschreibt er.

Noch im Studium ist er über eine Stellenanzeige in den VDI-Nachrichten auf KMG in Düsseldorf aufmerksam geworden. Das Unternehmen zeigte auch großes Interesse an ihm, da seine Vorkenntnisse und Praktika gut zur Mining-Sparte passten.

„Wir legen mehr Wert auf den Praxisbezug als darauf, ob der Bewerber an der FH oder Uni studiert hat. Wir haben beispielsweise sehr gute Erfahrung mit Studenten gemacht, die ein duales Studium absolvieren“, berichtet Personalleiterin Sabine Herröder. Diese Studenten machen parallel zum Studium im Unternehmen eine Ausbildung.

Klopmeier hatte einen ganz besonderen Einstieg zu KMG: Er bekam das Angebot, seine Masterarbeit im Unternehmen zu schreiben. Danach fing er als Trainee an. Das Traineeprogramm hat insgesamt zwölf Monate gedauert und hat ihn unter anderem nach Schottland geführt, wo er beim Aufbau eines PC 3000 mitgeholfen hat. „Das war wichtig für meine spätere Arbeit. Denn da habe ich hautnah erleben können, unter welch schweren Bedingungen unsere Servicetechniker bei Wind und Wetter an den Maschinen arbeiten und was wir von ihnen verlangen“, blickt er zurück.

Hohe Reisebereitschaft gefordert

Aber genauso hat er die Bereiche Innen- und Außendienst, Marketing und Garantieabwicklung durchlaufen. Den Abschluss des Programms bildete eine Trainee-Einheit, die vom Mutterkonzern Komatsu in Tokio für Kundendienstmitarbeiter organisiert war. Hier lernte er nicht nur die Konzernstruktur in Japan kennen, sondern besuchte auch Werke in USA, Italien und Belgien.

Aber Reisen gehörte nicht nur zum Trainee-Programm, sondern ist auch Bestandteil seiner heutigen Arbeit. Mindestens einmal im Jahr besucht er die wichtigsten Händler und Kunden vor Ort. Bei den Auslandsbesuchen bei den Kunden erstellt Klopmeier zusammen mit den Kunden, den Händlern und dem KMG-Repräsentanten ein Protokoll mit offenen Punkten, die abgearbeitet werden müssen.

So war er bereits in seinem ersten Jahr als Area-Manager für jeweils eine Woche in Indonesien, Indien und den Philippinen. „Wer bei uns arbeitet, muss daher nicht nur eine hohe Reisebereitschaft mitbringen, sondern auch Englischkenntnisse“, macht Herröder deutlich. Um die Kandidaten zu prüfen, finden auch Vorstellungsgespräche teilweise auf englisch statt. „Da die Konzernsprache englisch ist und die ganze Kommunikation auch mit den Repräsentanten und Händlern auf englisch abläuft, lernt man viel durch die tägliche Arbeit“, weiß Klopmeier heute.

Sein Fazit nach zwei Jahren im Unternehmen: Die Bergbausparte ist für einen Landtechniker eine interessante und vielseitige Aufgabe, zu der auch das Studium „Landmaschinentechnik“ qualifiziert.

Steckbrief

Name:
Jens Klopmeier

Alter:
28 Jahre

Studium:
Landmaschinentechnik (Abschluss: Diplom) und Master of Engineering (beides FH Köln)

Beruf:
Area-Manager für Südostasien bei Komatsu Mining Germany

Persönliche Erfolgsfaktoren:
Vorkenntnisse zur Reparatur von Großmaschinen und Arbeit im Tagebau durch Praktika und Bundeswehrzeit; früher Kontakt zum Unternehmen in Verbindung mit der Masterarbeit.

Die “Mining”-Sparte machte Komatsu zum Full-Liner

Das Komatsu-Werk in Düsseldorf-Benrath besteht seit 1939. In dem ehemaligen Demag-Werk werden seit 1954 mobile Hydraulik-Bagger gebaut. 1978 übernahm der Mannesmannkonzern die Firma, aus der die Mannesmann Demag AG wurde.

Im Jahr 1996 beteiligte sich der japanische Baumaschinenspezialist Komatsu aus Tokio über ein Joint Venture an dem Werk. Damit wollte Komatsu auch den Bereich „Bergbau“ (Mining) mit aufnehmen und so zum Full-Liner werden. Nachdem Mannesmann in die Mobilfunksparte wechselte, übernahm Komatsu den Betrieb 1999 komplett. Die Sparte „Mining Equipment“ ist eine von sechs im Komatsu-Konzern. Die weiteren Geschäftsbereiche sind:

  • Construction Equipment (Schwere Baufahrzeuge, Bagger; das ist auch die größte Sparte im Konzern)
  • Utility Equipment (Baumaschinen unter 11 t Eigengewicht wie Lader, Stapler, Mini-Bagger usw.)
  • Recycling Equipment (Maschinen zur Wiederaufbereitung von Material, z.B. Straßenbeläge).
  • Forstmaschinen
  • Motoren (Komatsu ist zu 50 % an dem amerikanischen Dieselmotorhersteller Cummins beteiligt)

Die Komatsu Mining Germany GmbH (KMG) ist ein Teil der Komatsu Mining-Sparte. Zum Mining Equipment gehören neben den Hydraulikbaggern aus Düsseldorf auch Planierraupen, schwere Muldenkipper und Radlader, die in den USA und in Japan gebaut werden. Außerdem bietet Komatsu Managementsysteme für Minen-Betreiber an, die ähnlich wie Flottenmanagementsysteme funktionieren und Auskunft über Fahrzeugbewegungen usw. geben können.

Komatsu beschäftigt weltweit rund 33.000 Mitarbeiter, davon ca. 600 in Düsseldorf. Die Tochtergesellschaft arbeitet wie ein größerer, eigener Mittelständler und besitzt eigene Abteilungen wie Konstruktion, Fertigung, Marketing, Verkauf und Kundendienst.

Fachkräfte werden weiter gesucht

06. Juni 2010

Wie sich die Wirtschaftskrise auf die Personalplanung eines großen Landtechnikkonzerns auswirkt und welche neuen Ideen es zur Nachwuchsförderung gibt, berichtet Prof. Dr. Klaus Höhn, Vice President, Advanced Technology & Engineering bei John Deere...

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on track: Noch vor ein bis zwei Jahren stand in der Landtechnik der „War for talents“, die intensive Suche nach Fachkräften auf der Tagesordnung. Inwieweit hat sich die Situation durch die globale Wirtschaftskrise verändert?

Prof. Dr. Klaus Höhn: Man würde es vielleicht heute nicht mehr so drastisch als „Krieg um Talente“ bezeichnen, weil sich die Nachfrage, vor allem in Europa, vorübergehend abgeschwächt hat. Das Phänomen des Fachkräftemangels bleibt uns aber schon erhalten. Stärker spürbar ist der Wettbewerb um bestens ausgebildete Nachwuchskräfte vor allem in Wachstumsmärkten wie Indien, China und in Brasilien.

on track: Wie sieht die Situation bei John Deere aus, welches Personal wird heute und in naher Zukunft benötigt?

Höhn: In Europa haben wir in den letzten Jahren erheblich an Personal aufgestockt, so dass wir für die nächste Zeit ganz gut versorgt sind. Aber mit den Aufgaben wachsen und verändern sich langfristig auch die Anforderungspro?le an neue Mitarbeiter. So etwa erfordert der zunehmende Anteil an Elektronik mehr Wissen auf dem Gebiet der Softwareentwicklung und -integration.

on track: Welchen Abschluss sollten die Studierenden anstreben, eher den Bachelor oder den Master?

Höhn: Hierfür gibt es keine pauschale Antwort, das hängt in erster Line von den zu erledigenden Aufgaben ab. Wir p?egen den Austausch von Wissenschaft und Praxis, indem wir sowohl habilitierte und promovierte Ingenieure beschäftigen als auch Nachwuchskräfte mit Master- oder Bachelorabschluss. Wir haben auch junge Leute im Haus, die einen dualen Ausbildungsweg, z.B. mit der dualen Hochschule Baden-Württemberg, gehen.

on track: John Deere hat eine umfangreiche Arbeitskräfte-Strategie entwickelt, um neue Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen, aufzubauen und langfristig an sich zu binden. Können Sie diese Strategie kurz erläutern?

Höhn: Ich möchte ungern aus dem „Nähkästchen“ plaudern. Aber uns ist es immer darum gegangen, gute Kandidaten so früh wie möglich an den Hochschulen „abzuholen“ und ihnen durch Praktika und Seminararbeiten die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen zu ermöglichen. Der Rest ?ndet sich dann oft von selbst.

on track: Sie sind heute auch an Universitäten in den USA aktiv. Wie sieht Ihre Tätigkeit dort aus?

Höhn: Meine akademischen Aktivitäten in den USA konzentrieren sich gegenwärtig auf meine aktive Mitarbeit in einer Anzahl von Universitätsgremien, sogenannten Advisory Boards und Advisory Councils beispielsweise an der Iowa State University oder der Michigan University. Dies ist vor allem meiner sehr beschränkten zeitlichen Verfügbarkeit aufgrund meiner Managementaufgaben im Unternehmen Deere geschuldet. Ich habe allerdings durch die Arbeit in diesen Gremien sowie durch Vorträge und Präsentationen zu spezi?schen technischen Themen einen engen Kontakt zur akademischen Ausbildung halten können.

on track: Wo sehen Sie die größten Unterschiede in der amerikanischen und der deutschen Ingenieursausbildung bei der Landtechnik?

Höhn: Offen gesagt gibt es keinen so gewaltigen Unterschied in der akademischen Ingenieursausbildung zwischen den USA und Deutschland, wie das manchmal unterstellt wird. Ich möchte eher sagen, dass es besonders in den letzten fünfzehn Jahren ganz erhebliche Bemühungen auf beiden Seiten gegeben hat, die akademische Ausbildung weiter zu harmonisieren. So ist es heute durchaus möglich, dass künftige Ingenieure ihre Ausbildung ohne große Zeitverluste oder Schwierigkeiten in der Abstimmung ihrer akademischen Ausbildungspläne auf beiden Seiten des Atlantiks abschließen können. John Deere als Unternehmen unterstützt diese Möglichkeiten seit etwa zwölf Jahren sehr intensiv zwischen Universitäten in den USA und ausgewählten akademischen Einrichtungen in Deutschland.

on track: Ihr Unternehmen errichtet zurzeit in Kaiserslautern ein europäisches Technologie- und Innovationszentrum (ETIC). Dort soll es vor allem um die Entwicklung von automatischen Managementsystemen gehen. Welche sind das genau?

Höhn: Es handelt sich zunächst einmal um die Fortschreibung dessen, was wir 2000 bereits in Zweibrücken begonnen haben, die Entwicklung der Präzisionslandwirtschaft unter Einsatz der Satellitentechnik. Hinzu kommt der Bereich „Advanced Engineering“, der sich mit Zukunftsentwicklungen befasst, allerdings mit eher langfristigem Horizont. Das kann alles Mögliche umfassen wie z.B. neue Antriebs- und Bedienkonzepte.

on track: Was hat aus Ihrer Sicht für den Standort Kaiserslautern gesprochen und nicht beispielsweise ein Standort in den USA, dem Mutterland von John Deere?

Höhn: Der Standort Kaiserslautern ergänzt Einrichtungen, die wir bereits in den USA und zum Beispiel in Indien haben. Für Kaiserslautern spricht vor allem, dass die dort angesiedelten Institute und Forschungseinrichtungen weitestgehend auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten sind. Hinzu kommt der für John Deere logistisch ideale Standort zwischen unseren beiden Fabriken in Mannheim (Traktoren) und Zweibrücken (Erntemaschinen) und der exzellenten Anbindung an den Frankfurter Flughafen. Das ist an anderen Standorten kaum zu toppen.

on track: In dem ETIC sollen künftig 200 Mitarbeiter tätig sein. Was für Personal wird dort gebraucht?

Höhn: Die besagten 200 Ingenieure sind zunächst ein Ziel, da müssen wir erst einmal schrittweise hinkommen. Wir können heute davon ausgehen, dass sich der Bedarf an Nachwuchskräften entwickelt, die Aufgaben in Teams fachübergreifend lösen können. Dazu gehören Maschinenbauer, Elektroniker und Software-Spezialisten ebenso wie Agraringenieure mit landtechnischem Wissen.

Viel Raum für neue Ideen

06. Juni 2010

Mittelständler bieten Jobs mit Perspektive. Das gilt auch für die Landtechnikbranche. Zwar sind nicht unbedingt Positionen mit wohlklingenden Bezeichnungen zu erreichen. Dafür gibt es aber reichlich Entfaltungsmöglichkeiten und große Verantwortungsbereiche...

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Beim Stichwort Karriereplanung denken Studenten oft an Konzerne mit großen Namen. Mittelständische Unternehmen als potenzielle Arbeitgeber haben Jobbewerber eher nicht auf dem Schirm. Doch häufig sind es insbesondere familiengeführte mittelständische Betriebe, die sich mit interessanten Entwicklungen bedeutende Positionen insbesondere in Nischenmärkten erarbeitet haben. Mit großem Know-how konzentrieren sie sich auf ihre Kernmärkte und sind hier oft großen Konzernen voraus.

Jens Barkmann ist ein Hochschulabsolvent, der das weiß. Schon seit seiner Lehre zum Industriekaufmann, die er in einem mittelständischen Unternehmen absolvierte, schätzt der studierte Betriebswirtschaftler diese Betriebsstrukturen und die dort üblichen kurzen Wege. „Außerdem ist man hier schnell gefordert, Verantwortung zu übernehmen und eigeninitiativ zu arbeiten“, nennt der junge Hochschulabsolvent, für den eigentlich nur der Berufseinstieg in einem mittelständischen Unternehmen infrage kam, weitere Vorteile.

Im Februar dieses Jahres schloss der 27-Jährige sein BWL-Studium mit dem Schwerpunkt Marketing und Vertrieb an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe ab. Direkt im Anschluss trat der frischgebackene Bachelor of Arts seinen ersten Job bei der Firma Gebrüder Schumacher GmbH in Eichelhardt an, dem Spezialisten für Schnittsysteme. Als Vertriebsmitarbeiter ist er nun schwerpunktmäßig für das neue Getreide-Mähsystem des Westerwälder Herstellers verantwortlich.

Global aufgestellt

Zuvor hatte Barkmann in dem mittelständischen Unternehmen bereits ein sechsmonatiges Praktikum absolviert und im Rahmen seiner Bachelorarbeit eine Markt- und Imageanalyse für den Schneidwerksspezialisten erstellt.

Zwar sei es für Studenten eher untypisch, Praktika im Mittelstand zu absolvieren. „Doch genau das hat mich gereizt“, sagt Barkmann rückblickend. Mit der Firma Gebrüder Schumacher fand er ein passendes Unternehmen: In vier Jahrzehnten hat sich der inhabergeführte Hersteller als Experte im Getreideschnitt etabliert und zu einem mittelständischen Global Player entwickelt. „In jedem Mähdrescher, der weltweit produziert wird, sind wir mit einem Teil vertreten“, berichtet Fred Schumacher, Geschäftsführender Gesellschafter, demzufolge mit Stolz. Am Unternehmenssitz in Eichelhardt werden Mähfinger und -messer, Messerklingen und -köpfe, Ährenheber, Haspeln und Haspelkomponenten sowie Mähmesserantriebe gefertigt. Wohl in der ganzen Welt bekannt ist der Westerwälder Hersteller, der nach eigenen Angaben weltweit mehr als 300 Patente hält, für das spezielle „Schumacher-Mähsystem“. Die Produkte werden sowohl an Hersteller von Mähdreschern als auch im Nachrüstmarkt verkauft. Und das ziemlich erfolgreich: So haben sich die Produktionszahlen in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt. Gleiches gilt für den Unternehmensumsatz, der im Wirtschaftsjahr 2008/2009 auf eine zweistellige Millionenhöhe kletterte. Zahlen, die Barkmann dazu bewogen, sich bei dem Unternehmen um ein Praktikum und die Bachelorarbeit zu bewerben. „Ich wollte meine Bachelorarbeit für ein wirtschaftlich gesundes und gut aufgestelltes Unternehmen schreiben.“ Demzufolge recherchierte der BWLer, „der auch Bilanzen lesen kann“ zunächst intensiv, bevor er sich in dem Unternehmen vorstellte. Als Informationsquelle nutzte er unter anderem den Bundesanzeiger, eine Plattform für die Veröffentlichung von Unternehmensnachrichten wie zum Beispiel Jahresabschlüssen.

Zudem sah Barkmann, der nach eigenem Bekunden „kein Typ für Schnellschüsse ist“, für die Landtechnikbranche gute Zukunftsperspektiven – „Ein weiteres Plus für den Hersteller in Eichelhardt.“ Und einen landwirtschaftlichen Hintergrund hat Barkmann schließlich auch: Der junge Mann ist im Kreis Steinfurt im ländlich geprägten Münsterland aufgewachsen und hat die praktische Landwirtschaft auf dem Betrieb der Großeltern schon von Kindesbeinen an kennengelernt.

Praktikum in Fertigung gestartet

Spannend und lehrreich startete das Praktikum Mitte August 2009 in Eichelhardt: Denn in den ersten zwei Wochen arbeitete Barkmann zunächst in der Produktion mit. Seither kennt er nicht nur die Merkmale und Bestandteile des „Schumacher-Mähsystems“. Er befasste sich mit Stanz-, Härte- und Schweißtechnik und weiß nun ziemlich genau, worauf es bei der Fertigung der Teile ankommt. Ganz nebenbei lernte er hier auch einen großen Teil der Mitarbeiter kennen. „Auch das ist sehr wichtig“, weiß Christiane Pechstein, die seit anderthalb Jahren für das Marketing des Herstellers zuständig ist und genauso zu Beginn ihrer Tätigkeit für zwei Wochen die Produktion kennenlernte. „Schließlich setzt das Unternehmen Schumacher entsprechend dem Lean-Management-Prinzip auf kurze Kommunikationswege“, sagt die Diplom-Agraringenieurin. Nicht zuletzt basiere die vertrauensbildende Unternehmenskultur auf einer gut funktionierenden Informations- und Kommunikationspolitik.

Ergebnisse werden umgesetzt

Im Rahmen der Imageanalyse für seine Bachelorarbeit untersuchte Barkmann das Informationsverhalten der Endanwender und interviewte zahlreiche Landwirte und Lohnunternehmer. „Wie bekannt ist die Marke Schumacher im Markt?“, wollte Barkmann unter anderem wissen. „Und was assoziiert der Kunde mit dem Namen Schumacher?“ Der Student erstellte ein umfassendes Imageprofil für das Eichelhardter Unternehmen und leitete daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab. Die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit ernteten großes Interesse im Unternehmen. „Ich habe nicht für die Schublade gearbeitet“, freut sich Barkmann über die positive Resonanz seiner Kollegen. „Es ist schön, wenn die Arbeit Sinn und Zweck macht.“

Eine weitere Aufgabe des Praktikanten war es, für den Verkauf des neuen Mähsystems EasyCut II eine spezielle Preisargumentation zu entwickeln. Nach intensiver Analyse und Kalkulation gab er den Anstoß, einen festen Meterpreis für das Mähsystem einzuführen. Ein letztlich einfaches aber neues Konzept, mit dem er einen durchschlagenden Erfolg verbuchen konnte. Denn schon ab Januar 2010 stellte Schumacher seine Preisstruktur für das Mähsystem entsprechend Barkmanns Vorschlägen um. „Es signalisiert mir, dass meine Denkweise in die freie Wirtschaft passt“, freut sich der 27-Jährige. Christiane Pechstein sieht in der schnellen Umsetzung von Barkmanns Ideen einen Beleg dafür, dass das Unternehmen Studenten oder Absolventen vielfache Möglichkeiten anbieten kann. „Wir haben interessante Projekte zu vergeben“, sagt sie. Das gelte nicht nur für die Bereiche Vertrieb und Marketing. Denn genauso gut kann sich Pechstein technische Projekte vorstellen, die Studenten im Unternehmen realisieren. In dem Zusammenhang berichtet sie von Kooperationen mit den Fachhochschulen Köln und Siegen sowie der Universität Hohenheim. „Die Themen reichen von anwendungsorientierten Ansätzen der Nutzenargumentation bis hin zu Fragen der Materialbeschaffenheit und -belastung“, ergänzt Pechstein, die den Wissensaustausch mit Hochschulen noch weiter ausbauen möchte. Denn auch Mittelständler brauchen heute Akademiker. Einer davon ist Jens Barkmann, der nach Praktikum und Bachelorarbeit weiß, dass sein Aufgabenspektrum in dem Westerwälder Familienbetrieb breit ausfallen wird. Er ist gespannt auf diese Aufgaben und freut sich, diese anzupacken und auch umsetzen zu dürfen.

Steckbrief

Name:
Jens Barkmann

Alter:
27 Jahre

Berufsbildung:
Ausbildung zum Industriekaufmann

Studium:
Betriebswirtschaftslehre, Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Persönliche Erfolgsfaktoren:
Kommunikationsvermögen und gute Auffassungsgabe, betriebliches Grundwissen aus der Berufsausbildung zum Industriekaufmann